26. März 2020

Seelenpferd ♥

Die Missi ist ein Pferdemädchen.
Im Herzen schon immer, aber seit drei Jahren kann sie es so richtig ausleben.
Es begann damit, dass sie mit ihrer liebsten Freundin einmal pro Woche
reiten ging. So richtig, von der Pike auf, mit allem Zipp und Zapp.
Das machen sie auch immer noch, die beiden, das ist DER eine Termin in der Woche,
der keinesfalls versäumt werden darf. Und in den Ferien
gerne auch mal öfter, auch wenn es ein ganzes Stück zu fahren ist.


Irgendwann reichte das der Missi aber nicht mehr und durch einen unglaublichen
Zufall, durch den wir in Kontakt mit den Besitzern einer Pferdepension kamen,
trat Anfang letzten Jahres das Pferd mit den Seelenaugen und den 
flauschigsten Ohren aller Zeiten in unser Leben.
Also hauptsächlich natürlich in das unserer Jüngsten, aber seinem Charme
konnten wir uns alle nicht entziehen... 
Ein schon etwas betagteres Fliegenschimmelchen mit einem riesengroßen
Herzen, wahnsinnig clever und mindestens genauso lieb.
Eine Pflegebeteiligung wurde es, an einem Tag in der Woche, in Wahrheit
war sie aber viel öfter dort, wenigstens um mal kurz zu kuscheln.


Die Aufgaben der Missi beliefen sich auf Putzen, Pflegen (aufgrund diverser Vorerkrankungen
bedurfte es vieler Specials, so lernte sie schnell, Tabletten oder Nahrungsergänzungssäftchen 
korrekt zu verabreichen, Fieber zu messen und wie man Pferde inhaliert, weiß sie nun auch), 
Weide- und Spaziergänge - und natürlich auf Liebe, Liebe, Liebe. 
Außerdem übten die beiden fleißig kleine Kunsstückchen und es war schwer 
zu sagen, wer von beiden dabei mehr Spaß hatte.


Dann kam der Tag, an dem es auf der Weide zu einer kleinen Auseinandersetzung kam,
bei der das Herzenspferd eine doofe, ziemlich tiefe Wunde am Widerrist davontrug.
Kurz darauf fanden wir uns in der Pferdeklinik wieder und die Missi lernte
neue Dinge (und ich erst!) - mit Ärzten in blutigen Gummistiefeln sprechen, fiese
Wunden angucken, an Blutegeln vorbeiputzen und immer, immer wieder
aushalten, dass es so gar nicht besser werden wollte, Woche um Woche
und OP um OP. Gefühlt haben wir den letzten Sommer in der Klinik verbracht.
Auf der angrenzenden Wiese oder in der Box im Intensivtrakt, dessen
schon sehr speziellen Geruch man irgendwann gar nicht mehr wahrnahm.
Das Pflegeschätzchen freute sich jedesmal einen Wolf, wenn die Missi
in der Tür auftauchte und je mehr sich abzeichnete, dass das eventuell
nicht mehr gut werden würde, desto häufiger war die Missi dort. 
Die Ärzt*innen und Pfleger*innen waren alle unglaublich nett, sie durfte kommen, 
wann immer sie wollte, dafür war und bin ich wahnsinnig dankbar.
Denn es kam der Tag, an dem entschieden wurde - die Wunde heilt nicht, im Gegenteil,
und mit solch einer Wunde kann kein Pferd leben.
Sie haben wirklich alles versucht und noch viel mehr..
Den letzten Weg würde das Schätzchen mit seiner Besitzerin gehen dürfen,
die so alt wie die Missi war, als sie ihn geschenkt bekam und heute selbst
Tierärztin ist - man mag sich ihren Schmerz gar nicht vorstellen...


Dieses Foto wurde bei unserem letzten Besuch aufgenommen.
Ich bin fest davon überzeugt, dass nicht nur die Missi das ganz genau
wusste, sondern auch das Herzenspferd. 
Es war herzzerreißend, wie die zwei kuschelten, eine kleine Ewigkeit :(
Es war Liebe auf den ersten Blick bei den beiden, ein wahres Seelenpferd 
für die Missi und sie hat ernste Sorge, dass sie sowas nicht nochmal erleben darf.
Ich hätte ihnen noch so viel mehr gemeinsame Zeit gegönnt...

Inzwischen darf sie sich auf dem Hof um ein anderes Pony kümmern
- wenn nicht gerade Corontäne ist, das ist überhaupt das Allerschlimmste daran gerade! -
eine Reitbeteiligung diesmal sogar. Die beiden mögen sich sehr,
arbeiten oft hart (aneinander), haben aber auch viel Spass zusammen.
Es ist sehr, sehr schön, die Missi würde es niemals missen wollen -
und doch ist es so ganz anders, als es mit dem Herzenspferd war.
Eine Verbindung, die bleibt ♥

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