"Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?"
Frau Brüllen fragt das an jedem fünften Tag des Monats und wer mag, schreibt fleißig mit.
Die übrigen #wmdedgt-Einträge findet Ihr wie immer hier. Frohes neues Jahr!
3.45 Uhr: Ich liege wach. Wie jede Minute, seit ich gegen elf schlafen gegangen bin. Mein Kopf ist zum Schreien müde, zu müde, um auch nur dran zu denken, ein Buch zur Hand zu nehmen oder etwa aufzustehen. Obwohl ich beides nur zu gern tun würde. Kopf müde, aber ein Ruhepuls von deutlich über 80, der mich seit Stunden konsequent wachhält. Ich verstehe es nicht. Sowas kenne ich eigentlich nur, wenn ich krank bin. Bin ich aber nicht.
4.15 Uhr: Wenn Sommer wäre, würde es jetzt wenigstens hell.
5.45 Uhr: Oh, muss tatsächlich eingeschlafen sein! Werde jetzt allerdings von der blitzartigen Erkenntnis geweckt (Wirklich! Von dem Gedanken bin ich wachgeworden, nach anderthalb Stunden Schlaf! Vermutlich ist es mir im Traum eingefallen und dann habe ich mich so fürchterlich geärgert, dass ich aufgewacht bin ;), WAS mich da die ganze Zeit wachgehalten hat. Gestern hatte ich ein Arbeitsfrühstück in einem Café, und eine der Teilnehmerinnen sagte schon nach einem halben Latte Macchiato: „Hui, der haut aber rein, mir ist schon ganz schummrig.“ Und was mache ich, die Nicht-Kaffeetrinkerin? Bestelle mir im Laufe des Vormittags noch einen zweiten. Reife Leistung. Erklärt im Nachhinein aber auch das für mein Gefühl total überheizte Wohnzimmer am Nachmittag („Hab ich Fieber?“) und das Herzstolpern („Ich glaube, ich werde wirklich krank.“) Ehrlich, wie kann man nur so blöd sein? Ich trinke vielleicht zweimal im Jahr Kaffee und jedesmal endet das so. Aber ich lerne es einfach nicht.
7 Uhr: Bin nicht mehr eingeschlafen, aber zumindest der Puls ist wieder auf Normallevel (und ich bin auch nicht krank, wer hätte das gedacht ;) Jetzt klingelt der Wecker vom Mann, dem ich natürlich sofort mein Leid klage. Er lacht mich dann auch nur ein kleines bisschen aus.
8 Uhr: Aufgestanden, fertig gemacht, es hilft ja nichts. Körper wieder normal, aber Kopf und Augen verweigern noch weitestgehend ihren Dienst. Setze mich mit einem Kaffee („Kaffee“!! Aus Getreide, ohne Koffein, wie immer halt, ich bin ja nicht verrückt!) an den Schreibtisch und versuche mich am Januar-Kalender, dem Wochenplan und der Jahresendablage vom Büro.
8.45 Uhr: Habe erst das Kind und dann das Auto geweckt. Das allerbeste an so einem elektrischen Auto ist definitiv die automatische Auftau- und Vorheizfunktion, besonders bei solch abartigen Minustemperaturen wie gerade.
9.15 Uhr: Abfahrt. Ich nehme die Missi mit zum Stall, denn der Weg dorthin ist inzwischen streckenweise eine einzige, immer dicker werdende Eisplatte. Auf dem Rückweg plane ich spontan um und gehe einkaufen, denn der Parkplatz des Edekas auf dem Weg ist quasi komplett leer und solche Gelegenheiten lasse ich mir nur ungern entgehen. Danach Bank und Versichertenkarte einlesen lassen (dass man dafür immer noch Lebenszeit verplempern muss, macht mich wahnsinnig!)
10.30 Uhr: Wieder zuhause. Jetzt erst mal schnelles Frühstück.
14.15 Uhr: Was ich in den vergangenen knapp vier Stunden getan habe: Eine Süßkartoffel zu Pommes verarbeitet und gewässert. Dasselbe mit Kartoffeln wiederholt, weil eine Süßkartoffel wirklich zu wenig wäre und ich die sowieso gar nicht sooo gerne mag. Also Süßkartoffel für die Missi und die anderen für mich. Zwei Maschinen Skiwäsche gewaschen und im Haus zum Trocknen verteilt. Die letzte Urlaubstasche ausgeräumt. Der Couch widerstanden. Betten gemacht. Mit dem Mann telefoniert. Der Couch widerstanden. Kühlschrankvorräte geprüft und Koch- und Einkaufszettel für den Rest der Woche geschrieben. Die Missi wieder abgeholt. Der Couch widerstanden. Gekocht (Pommes, wilden Brokkoli aus der Pfanne, Salat). Noch eine Maschine Wäsche.
14.30 Uhr: Bin der Couch nun erlegen. Aber nur im Sitzen und mit einer Tasse Tee. Wenn ich jetzt einschlafe, ist der Tag gelaufen. Lieber noch ein bisschen Buchhaltung, offene Posten und ein paar Stories für den Stall vorbereiten. Ich hätte auch noch ein längeres Video zu schneiden, aber leider nehmen mir meine Auge die nächtlichen Eskapaden sehr übel (dabei hatte ich die doch eigentlich fast immer zu!) und tränen wild vor sich hin. Also besser wenig Bildschirm.
15.40 Uhr: Ok, weiter geht’s. Bin wach geblieben, hah! Hole jetzt erst mal meinen Sport („Sport“) nach, der eigentlich an den Anfang des Tages gehört hätte.
17.30 Uhr: Puh, also die Luft ist definitiv raus. Muss scharf nachdenken, was ich noch so produktives hinbekommen habe. Abendessen in den Ofen geschoben, Weihnachtsdeko vom Küchentisch abgeräumt, noch eine Maschine Wäsche gewaschen, kurz mit der Großen gefacetimed. Aber auch nur, weil die Missi mit ihrer Schwester im iPad durch die Küche gegeistert ist. Die meiste Zeit habe ich damit verbracht, die ersten Kapitel in einem neuen Buch zu lesen und einem Typen dabei zuzusehen, wie er jeden Tag einen fantastischen Kuchen backt und eine schöne Geschichte dazu erzählt. (glasrosefarm auf insta) Perfekte Realitätsflucht. Statt Nachrichten.
18 Uhr: Die Missi wird von ihrer besten Freundin abgeholt, sie treffen sich mit ein paar anderen Mädels in der Stadt zum Essen. Kaum sind sie weg, fängt es an zu schneien. Eh klar. Hoffentlich haben sie gute Winterreifen.
19 Uhr: Der Mann ist da und ich verabschiede mich schweren Herzens aus dem Kuchenhimmel. Ok, ich habe nebenbei noch ein bisschen was wegsortiert. Jetzt Essen und Couch.
20.00 Uhr: Doch dann noch Nachrichten. Wahnsinn, das Jahr ist gerade mal fünf Tage alt und könnte schon einen eigenen Jahresrückblick füllen. Und zwar keinen guten. Zum Glück bin ich heute zu müde, um mich da tiefer zu involvieren.
20.30 Uhr: Bisschen Stricken, bisschen Fernsehen, mehr wird hier heute nicht mehr passieren. Und ich werde schlafen wie ein Stein, das steht mal fest.

Das mit dem Kaffee kann ich nachfühlen. Ich vertrage auch kaum ein Schlückchen. Beim letzten Ausrutscher bekam ich eine derartige Unruhe und Nervosität, dass ich zu meinem Mann sagte, "Ich glaub du musst mich in die Psychiatrie einliefern lassen!":-) Zum Glück fiel uns dann ein, dass ich einen Kaffee getrunken hatte;-)....Und viele Stunden später fühlte ich mich dann wieder völlig normal:-)
AntwortenLöschenVerrückt, dass man darauf so heftig reagieren kann.
Und allergrößten Respekt, dass du nach der Nacht dann trotzdem noch so hammerviel auf die Reihe gekriegt hast.
Liebe Grüße S.
Beruhigend zu lesen ;)
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