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27. November 2025

Summervibes

 Draußen ist es zum ersten Mal für diesen „Winter“ (der ja noch nicht mal angefangen hat…) so richtig kalt und usselig - als wir am Sonntag sehr früh zum Stall gefahren sind, waren es neun Grad. Minus wohlgemerkt. Uff. Kann mich nicht erinnern, dass es im November schon mal so kalt war.


Genau der richtige Moment also, um sich zurück in den Sommer zu beamen. An die Côte d‘Azur zum Beispiel. Dahin hat es uns im Juli relativ spontan verschlagen. Die Kinder hatten andere Pläne - die Große musste Klausuren schreiben und die Missi war mit Freundinnen zwei Wochen in Lissabon - und wir hatten eigentlich gar keine Zeit ;)


Eine Woche haben wir dann aber doch irgendwie rausgeschlagen und genau deswegen ging es in sehr bekannte Gefilde - wenn man schon keine Zeit hat, erholt es sich besser ohne Erlebnisdruck und an der Côte d‘Azur können wir Sightseeing betreiben, müssen aber nicht mehr.


Dass wir am Ende dann doch sehr viel mehr rumgekommen sind, als geplant, lag vor allen Dingen an unserer sehr spontanen Beifahrerin. Frisch aus Portugal zurückgekehrt, hatte die Missi nur „Côte d‘Azur“ gehört, umgepackt und quasi innerhalb von fünf Minuten mit im Auto gesessen ;) Weil sie (genau wie ich) Saint-Tropez liebt - ich wäre vermutlich aber nicht gerade am Markttag hingefahren, sie hingegen auf jeden Fall. Nun gut. Wir haben dann das Schiff statt des Autos genommen, um dem Stau zu entgehen und da es noch recht früh im Sommer war und nicht besonders voll, war es eigentlich auch ganz nett.


Neben Saint-Tropez liebt die Missi auch Nizza (ich auch, allerdings aus anderen Gründen), also sind wir auch dort noch hingefahren, denn in der Stadt gibt es einen der sehr raren Läden ihrer Lieblings-Klamottenmarke. Ich glaube, objektiv gesehen war das war sowieso der hauptsächliche Grund, warum sie sich unserem Urlaub angeschlossen hat (und nicht etwa die überbordende Liebe zu ihren Eltern ;) Bisschen Stadtbummel, bisschen mehr Strand und schöne Orte am Wegesrand.


Und natürlich waren wir dann auch noch in Monaco („Jetzt sind wir doch eh fast da!“), denn unsere Beifahrerin ist auch ein sehr großer Formel 1-Fan. Wir sind also die Rennstrecke zweimal abgefahren, haben dann im Hafen geparkt und sind auf den Berg in die Altstadt gelaufen - die ebenfalls angenehm leer war, vor allem im Vergleich zum letzten Mal, als zwei Kreuzfahrtschiffe im Hafen lagen. Auch das war sehr schön, aber nur so mittel erholsam…


… und so haben wir an den restlichen Tagen dann als Ausgleich konsequent dem süßen Nichtstun gefrönt. Am Strand, auf dem SUP oder der Terrasse unserer Ferienwohnung. Ich habe am Strand viel gelesen und auch viel geschlafen - die Schlafsituation in unserer ansonsten sehr schönen Wohnung direkt am Meer war nämlich etwas prekär: Die Klimaanlage hing direkt überm Bett und wer mich kennt, weiß, dass das keinesfalls eine Option ist. Eine Nacht habe ich es heldenhaft getestet, in der zweiten Nacht haben wir es ohne Klimaanlage versucht (auch indiskutabel, Südseite, Glasfront) und da die einzige, eh sehr provisorische Betten-Alternative ja von der Missi belegt war, habe ich ab der dritten Nacht einfach auf einer vom Mann gebauten Strandliege-plus-Luftmatratze-Konstruktion in der Küchenzeile geschlafen. Freiwillig wohlgemerkt, war aber nur so mittelgut, hat immer noch gezogen. Ich habe ernsthaft über das Auto nachgedacht (bin ja eh ein großer Fan von Micro-Campern ;), denn auf der Terrasse zu schlafen wurde mir vom Kind verboten, da Erdgeschoss und recht offen zum Meer, pfft.


Die Nächte wurden allerdings mehr als wettgemacht durch die Abende am Strand. Leckeres Essen, Füße im Wasser und tolle Sonnenuntergänge - mehr braucht man nicht zum Glücklichsein. Noch nicht mal Schlaf!

26. Mai 2025

First times: Mallorca

 In den Osterferien haben wir etwas für uns sehr Originelles gemacht: Wir sind nach Mallorca geflogen. Originell weil: Wir verreisen eigentlich nie in den Osterferien. Weil wir nicht fliegen. Und schon gar nicht nach Mallorca, der Partyinsel voller Bettenburgen. Tjanun :)


Dieses Ziel stand wirklich so gar nicht auf meiner Bucket List, noch nicht mal ganz weit unten. Aber die Kinder wollten unbedingt - die Missi, weil sie noch nie da war (mit dem Argument kann sie allerdings in Zukunft noch sehr viele Ziele durchsetzen!) und die Große, weil sie es dort so toll findet (sie war schon viermal!! mit Freund:innen dort) - der Mann war auch nicht abgeneigt und mir war irgendwann einfach alles egal, solange ich nicht in Palma wohnen musste und man mir eine schöne Unterkunft präsentierte, die keine Bettenburg ist ;)


Und wo ich dann schon mal dort sein würde, packte mich natürlich riesengroße FOMO, ich hatte lange Sightseeing-Listen und wir sind kreuz und quer über die Insel gefahren und haben uns unheimlich viel angeschaut - weiß ja niemand, wann und ob ich nochmal wiederkomme! Wobei…


Also die Insel kann schon was. Besonders im Frühling, nehme ich an. Alles war grün, alles hat wie verrückt geblüht, das war wirklich sensationell schön. An Landschaft kann ich mich ja selten mal sattsehen und davon gibt es dort wirklich sehr viel und sehr abwechslungsreich. Mit dem Wetter hatten wir aber auch großes Glück - es war immerhin erst Ostern und in den letzten Jahren war es in Südeuropa oft ja sehr viel unbeständiger und regnerischer als bei uns und im Rest des Mittelmeerraumes ging zeitgleich auch eher die Welt unter. Aber wir hatten tatsächlich jeden Tag Sonnenschein und knapp über 20 Grad - da kam uns auch die Geografie zugute: Wenn bei uns Wolken angesagt waren, sind wir einfach in eine andere Ecke der Insel gefahren, durch die vielen Gebirgszüge ist auch das Wetter sehr vielfältig.


Laut den Nachrichten war die Insel ungewöhnlich voll für die Jahreszeit, ehrlicherweise haben wir auf unseren Ausflügen davon aber nichts mitbekommen. Einzig kurz vor Cap Formentor wurde es mal voll auf der Straße, aber angeblich steht man da im Sommer ja tagelang im Stau, mindestens (was nicht verwunderlich wäre, denn am Ende dieser zehn Kilometer langen Sackgasse gibt es am Leuchtturm ungefähr … zwanzig Parkplätze oder so ;)


Die ganzen Menschen haben wir dann aber doch noch gefunden, und zwar in Palma - das war dann auch die einzige Ecke, die wir nur kurz gesteift haben. Offensichtlich waren sämtliche Besucher der Insel dort versammelt, zusammen mit den Tagesbesuchern von drei(!) Kreuzfahrtschiffen. In einer derart vollgestopften Stadt war ich zuletzt vor zwei Jahren im August in Monaco, auch wegen Schiffen, auch kein Spaß. Was ich beim kurzen Durchhuschen gesehen habe, war aber hübsch. Vielleicht sollten wir im Winter nochmal wiederkommen. Oder den Hafenbelegungsplan besser im Auge behalten…


Tja, was soll ich sagen, Mallorca?
 Ich habe nicht viel von Dir erwartet, aber Du hast mich positiv überrascht. Vor allem mit tollem Wetter, einer erstaunlich abwechslungsreichen Landschaft und sensationeller Vegetation. Frühling steht Dir gut. Zu Spanien hatte ich noch nie eine besondere Bindung - paar mal Urlaub, ja, aber nie so ein „Da muss ich auf jeden Fall nochmal hin“-Gefühl - aber jetzt doch vielleicht ein kleines bisschen mehr. Danke dafür.

 (Warum man nun aber ausgerechnet dort wohnen muss, wenn es denn das Ausland sein soll, das erschließt sich mir immer noch nicht. Allein die Insellage und die ausschließliche Anreise per Flieger wären für mich schon Ausschlusskriterium genug. Vermutlich ist es wirklich die Kombi aus „Anders, aber nicht zu anders, dafür in warm“ und der doch sehr eingedeutschten Infrastruktur. Hm. Da bin ich dann doch eher der Typ, der entweder das ganz Andere zu akzeptieren bereit ist (Ist es nicht eigentlich auch genau das, was hier bei Zuwanderern so automatisch und vehement vorausgesetzt wird?? Sprachen lernen? Integrieren? Anpassen? Ich frage nur…) oder eben gleich beim deutschen Original bleibt. Mit allen Vor- und Nachteilen. Fand ich jedenfalls befremdlich, die vielen deutschen Läden, Ärzte, Gastro vor allem in den größeren Orten. Kein Wunder, dass die Einheimischen da wenig begeistert sind. Aber hey, das sind ja wir Deutsche, die da einwandern, das ist natürlich was völlig anderes ;)

27. Januar 2025

Zwischen den Jahren

 Wie immer waren wir zwischen Weihnachten und Neujahr ein paar Tage in den Bergen. Ganz anders wie immer ging es diesmal aber mal nicht nach Bayern, sondern nach Österreich - denn die Kinder hatten beide Zeit, mitzukommen und wollten gerne Skifahren. Und zwar bitte viel.


Was das Wetter und den Schnee betrifft, hatten wir totales Glück. Alle Tage Sonnenschein von früh bis spät. Nach so viel grauem Dezember war allein das eine wahre Wohltat. Während die Familie also Skifahren war, habe ich stundenlang auf der Terrasse unserer Ferienwohnung in der Sonne gesessen, gelesen und die Aussicht genossen.


Nachmittags waren wir dann meist noch in wechselnder Besetzung unterwegs, zum Spazieren oder Schlittenfahren, pardon: Rodeln - etwas, wofür man im Zillertal wirklich super gute Bedingungen findet. Wenigstens das, sagt die Inzwischen-Nicht-Skifahrerin der Familie, denn in solch reinen Skigebieten ist für Exoten wie mich sonst traditionell wenig geboten. (Zumindest wenn man kein Interesse an Partys oder Erlebnisbädern hat. Aber ich erhole mich ja eh am besten beim Sitzen und Gucken, alles gut.) Ein paar kleine Wanderwege haben wir aber doch gefunden und ab und zu musste man sogar gar nicht todesmutig Skipisten kreuzen oder auf dem Po runterrutschen, um zu seinem Ziel zu kommen ;)


Silvester haben wir wie immer mit Pizza zuhause verbracht. Entspannt, aber eher nicht ruhig, denn unten im Tal wurde schon krass viel geböllert, auch den ganzen Tag über schon. Ein echter Kulturschock nach den vielen ruhigen Silvesterjahren in unserer bayrischen Ferienwohnung in der Böllerverbotszone. Nächstes Jahr kann die Große nicht mitkommen, übernächstes steht die Missi ein paar Tage vor ihrem Abi - mal schauen, ob es dann nicht doch wieder eher die unspektakuläre bayrische Provinz wird ;)
Für dieses Jahr war es aber genau richtig. Danke, Zillertal!

28. September 2024

Silence! { Mein insta-Sommer in der Bretagne }

Weiter geht’s - eigentlich habe ich gerade gar keine Zeit, hier zu schreiben, weil riesige Baustelle im Haus, Mann und Missi beim Fußball und Steuererklärung und bliblablubb, aber genau deswegen brauche ich jetzt dringend mal ein halbes Stündchen Alltagseskapismus. Zumindest, bis die Mittagszeit verstrichen ist und man wieder Krach machen darf ;)

Der Familienstrand also. Dreh- und Angelpunkt eines jeden Bretagne-Urlaubs und für mich wirklich der schönste Ort auf der ganzen Welt. Da lege ich mich fest. Wenn ich nur noch ein Urlaubsziel haben dürfte für den Rest meines Lebens, dann wäre es dort. „Du kommst dahin und sofort ist Dein Leben in Ordnung“ sagte die Schwägerin neulich und sie hat absolut recht.


Und so haben wir dort sehr viel Zeit verbracht, zugunsten derer wir im Fortgang des Urlaubs etliche weitere Ziele einfach gestrichen haben, aber das war ok - wir waren ja wirklich schon oft in der Bretagne und so hielt sich die FOMO in Grenzen ;) Ein kleines Stück sind wir noch auf dem GR34 gelaufen, dem Wanderweg vom Mont Saint-Michel bis nach Saint-Nazaire, immer hart entlang der Küste und zurecht einer der schönsten Wanderwege Europas. Ihn irgendwann mal ganz gelaufen zu sein, erscheint allerdings utopisch. Es sind etwa siebzehnhundert Kilometer ;)


Als wir dann doch irgendwann mal endgültig weiterfuhren, ging es als erstes zur Pointe Saint-Mathieu - diese bizarre Kombi aus Kirchenruine und Leuchtturm wollte ich unbedingt nochmal besuchen. Das dort ist dann wirklich mal Finistère (= Ende der Erde), denn dahinter kommt nix mehr (außer irgendwann Nordamerika, aber das wusste man damals noch nicht). War toll, hat sich für mich aber nur so mittel gelohnt, denn ich habe dort wohl endgültig, final und für immer meinen Lieblingsschal verloren, den ich seit mindestens 30 Jahren getragen habe. Er war schon mehrfach länger weg, aber dass ich ihn jetzt nochmal wiederbekomme, erscheint doch eher aussichtslos. Ich vermute, dass er mir beim Einsteigen aus der Tür gefallen ist. RIP Lieblingsschal, das wird ein trauriger Winter ohne Dich :( 


Von der Pointe aus ging es dann tatsächlich doch noch ein wenig südwärts, mit Zwischenstopp in Pont-Aven, der malerischen Paul-Gauguin-Stadt mit vielen Brücken und noch mehr Galerien. Das erste wirklich krass touristische Ziel auf unserer Reise (ok, Saint Malo, aber auch da war es eigentlich nur voll, wenn die Fähre aus England ankam), aber auch hier zeigte sich: Zwischen „voll“ und „richtig voll“ liegen oft Welten. Wer mal im Sommer in Saint-Tropez war oder mit einem Kreuzfahrtschiff in Dubrovnik, weiß, wovon ich spreche… War also schön in Pont-Aven, besonders morgens auf der Bäckerrunde, als wirklich alle anderen noch schliefen ;)


Viel weniger pittoresk aber anders speziell war es wie immer in Lorient, wo wir selbstverständlich wieder bei „La Base“ vorbeischauen mussten. Das sind unzählige, gigantisch große, deutsche (natürlich…) U-Boot-Bunker im Hafen, unkaputtbar und deswegen mittlerweile alle anderweitig genutzt, viele davon als Museen. Der Mann hat sie alle nochmal besucht, mir hat einmal gereicht, wir waren nämlich schon mal mit den Kindern da und ich hatte den Geruch noch ausreichend in der Nase. Es riecht dort so morbide-modrig, wie die Teile alt sind. Wir parkten den Camper also neben ein paar Fischern an der Mole und ich habe einen sehr gemütlichen Tag mit Buch und Aussicht im Bett verbracht, während der Mann nur gelegentlich mal reingeschaut hat, um einen Kaffee zu trinken oder die nächste Ausstellung zu planen ;)


Da wir zum Abschluss noch ein/zwei Tage am Strand sein wollten, machten wir von Lorient aus noch einen letzten Abstecher auf die Presqu‘île de Quiberon. Südbretagne also. Bin gar nicht so ein großer Fan, ich mag den wilden Norden einfach so viel lieber. Aber da ging es eigentlich, besonders in Carnac ;)


Die Halbinsel ist wirklich brutal schmal. Wir standen auf der eher tümpeligen Seite der Baie, also dort, wo das Meer bei Ebbe wirklich komplett weg ist, aber man konnte problemlos auf die andere Seite laufen und dort war es mehr so vom Typ Traumstrand. Weitläufig, leer und alles hat geglitzert. Hier haben wir die letzten beiden Tage entspannt ausklingen lassen und sind wirklich erst kurz vor knapp Richtung zuhause aufgebrochen.


Eine Zwischenübernachtung musste reichen und die haben wir irgendwo im Brie eingelegt, wieder auf einem wirklich schönen Dorfplatz, diesmal am Fluss, irgendwo südöstlich von Paris. Und das war dann schon wieder so nah an zuhause, dass wir einen großen Teil des restlichen Weges abseits der Autobahn zurückgelegt haben und trotzdem noch früh genug wieder zuhause waren, um den Camper zu räumen. Und die Blumen zu gießen. Denn sagen wir mal so: Es ist praktisch, die Urlaubsvertretung direkt persönlich zuhause zurückzulassen aber, eventuell… äh… müssen wir in Zukunft unsere Anweisungen noch etwas präzisieren. So! Es hat nämlich niemand vergessen, den Garten zu gießen, wir haben uns nur nicht klar genug ausgedrückt!

25. September 2024

Vers l'ouest! { Mein insta-Sommer in der Bretagne }

 In diesem Sommer haben wir es endlich mal wieder in kühlere Gefilde geschafft - was nicht etwa daran lag, dass der Sommer bis dahin so heiß gewesen wäre, dass man dringend mal raus musste (also WIRKLICH nicht…), sondern einzig und allein daran, dass die Kinder es beide vorzogen, zuhause zu bleiben, so dass wir nicht zum wiederholten Male in den Süden genötigt wurden. Ok, man könnte es natürlich auch umgekehrt formulieren: Aufgrund des von uns ins Auge gefassten Reiseziels zogen es beide Kinder vor, doch lieber einfach zuhause zu bleiben ;)


Als uns dieser Entschluss mitgeteilt wurde, zuckten wir also nur wenig überrascht mit den Schultern und mieteten uns statt des obligatorischen Wohnmobils einen handlicheren Camper - das ist ja eh unser Ziel für die Zukunft, da man durch die geringeren Maße ja nochmal deutlich mehr Flexibilität gewinnt, unterwegs und bei potenziellen Schlafplätzen, weniger verbraucht und trotzdem alles an Bord hat (niemals ohne Klo und Dusche, wirklich niemals ;) Die ersten zwei Stunden war es brutal komisch ohne Kinder hintendrin, aber spätestens bei Erreichen unserer ersten Zwischenübernachtung auf einem Dorfplatz neben einem Mammutbaum in…. irgendwo kurz vor Paris, hatten wir uns wieder in das Pärchenleben von vor 20 Jahren eingegroovt.


Unser erstes Ziel hieß Saint-Malo. Bekannte Gefilde, da waren wir schon oft, perfekt zum An- und Runterkommen und einfach immer wieder eine wunderschöne Stadt. Ursprünglich wollten wir nur eine Nacht bleiben, aber es wurden drei daraus. Mit diversen Stadtbummeln, abendlichen Besuchen bei täglich wechselnden Foodtrucks und viel Lesezeit.


Unser Ankerpunkt ist dort immer der Canpingplatz auf der anderen Seite der Bucht. Ruhig, mit Aussicht und zu Fuß ist es ein netter Spaziergang bis zur Stadtmauer. Wir hatten bei Abfahrt zuhause ganz spontan den Fahrradträger nochmal abgebaut (das war so ein gruseliges Ding, das nur auf die Anhängerkupplung gedreht wurde, man sah sich automatisch schon die Räder von der Autobahn sammeln, außerdem ließen sich damit die Hecktüren am Bett nicht öffnen und das ist ja wohl das tollste, mit offenen Türen am Meer im Bett zu liegen!) und waren mit nur einem Rad (in der Heckgarage) und einem Paar Inliner unterwegs. Das funktionierte in der Praxis super - ich das Rad, der Mann die Inliner. Oder der Mann das Rad und ich derweil im Bett mit Buch ;)


Von Saint-Malo aus arbeiteten wir uns dann weiter westwärts, immer hart entlang der Küste.
Am wunderschönen Cap Fréhel machten wir nochmal Station….


… und überhaupt an jedem Cap und jeder Bucht, die uns von der Straße aus anlachte. Für ein Stündchen Füßehochlegen, zum Mittagessen oder Kaffeetrinken. Das darf man auf dem meisten (Park-)Plätzen, nur frei Übernachten ist in den vergangenen Jahren wirklich schwieriger geworden, zumindest im Sommer. Wir haben aber trotzdem immer was Schönes gefunden (und wie immer nichts im Vorraus gebucht).


Ein besonderes Highlight war für mich die Abbaye de Beauport, dort waren wir vorher noch nie und ich bin wirklich froh, dass wir den Abstecher diesmal gemacht haben. Ich bin eh anfällig für sakrale Orte, die strahlen oft so eine ganz besondere Ruhe aus und der hier war wirklich besonders unter den Besonderen. Ein unbeschreiblich schöner Ort, von dem ich gar nicht mehr weggewollt hätte…


… wenn am Ende dieser Etappe nicht mein absoluter Lieblingsort auf der ganzen Welt gewartet hätte :)) 
Hierher stammt der bretonische Teil der Schwiegerfamilie, hier hat der Mann ganze Sommerferien verbracht und ich werde ihm immer dankbar sein, dass er auch mich vor vielen, vielen Jahren hierher gebracht hat. Hier gibt es nichts (außer die schönsten Muscheln ever!), aber es ist so unendlich schön. Man müsste dreimal im Jahr herkommen, mindestens, aber es ist halt wirklich elend weit weg.


Nahe des Familienstrandes auf dem Campingplatz direkt am Meer haben wir einfach tagelang nichts gemacht außer Spazieren, Rumliegen, Lesen, im Watt wandern (ich) und Crevetten fangen (der Mann, brrrrr), über Märkte bummeln und auf Felsen klettern. Oh, und dem Kommen und Gehen des Wassers haben wir ziemlich viel zugeschaut. Eventuell war das Jahr fordernd bis dahin, so dass wir wirklich gar keine Ambitionen hatten, mehr zu tun als… nichts ;) Nicht mal die Familie haben wir besucht, die war nämlich noch in Paris.


Und auch hier sind wir wieder viel länger geblieben, als ursprünglich geplant, so dass wir den Rest unserer geplanten Route dann gnadenlos eingedampft haben. Aber das Wetter war auch deutlich besser als erwartet, so bestand gar keine Notwendigkeit, uns weiter in den Süden vorzuarbeiten.

To be continued…










9. Oktober 2023

Spontaner Sonntag in der Eifel

 Vergangenes Wochenende war (mal wieder) so tolles Wetter angesagt, dass wir spontan beschlossen, sonntags in die Eifel zu fahren. Ok, „in die Eifel fahren“ ist von hier aus erst mal kein großartiges Event, man muss dazu bloß eine der Moselbrücken in der Stadt überqueren und den Berg hochfahren: Zack, Eifel! Aber diesmal sollte es doch ein ganzes Stück weiter in den Norden gehen - in diesem Jahr gab es soviele verplante Wochenenden, wahlweise durch Arbeit oder Turniertermine vom Kind, dass wir ungewöhnlich wenig unterwegs waren und Nachholbedarf hatten. Also los!


Wir starteten sehr früh, aus Gründen, denn unser erstes Ziel war Monschau und nach allem, was ich gehört und gelesen hatte, ist das einer dieser Touristen-Hotspots, die man idealerweise entweder morgens früh oder abends spät besucht, wenn man auch was anderes sehen möchte als…. Menschen eben ;) Dieser Plan ging dann auch voll und ganz auf, die vielen, vielen Parkplätze außerhalb des Ortskerns waren noch weitgehend leer, wir konnten entspannt durch die Gassen und zur Aussicht bummeln, ungestört in Ecken und von Brücken spähen und zwischendrin sogar schön draußen vor einem Café frühstücken, mit dem Gesicht in der Sonne. Draußen, früh morgens, von der Sonne durchgewärmt. Im Oktober. Alles klar. Aber gut. Einfach nicht drüber nachdenken und genießen. Hilft ja nix.
Monschau stand schon ewig auf meiner persönlichen Bucket List und was soll ich sagen? Absolut zurecht! Die Stadt ist zauberhaft und so absolut mein Fall - viel Fachwerk, viel Schiefer, viel Wasser, übersichtlich und mit unzähligen überraschenden Details. Ich habe die Stunden dort sehr genossen.


Als sich die Stadt zu füllen begann, fuhren wir weiter, schauten uns die Orte am Wegesrand an (immer noch viel Schiefer und Fachwerk) und den gigantischen Rurstausee, ließen uns treiben und griffen dann irgendwo ein Mittagessen ab, das wir auf einer Bank am Waldrand im (wunderschönen) Nirgendwo aufaßen. Maximal entspannt und maximal unverplant, genau das, was wir brauchten. Wir hatten auch keine Kinder mit, dann geht sowas :)


In der Nähe von Roetgen hatte ich uns einen kurzen Spaziergang entlang des Eifelsteigs herausgesucht, durch einen grünen Märchenwald, entlang des Grölisbachs. Meine Liebe zu Moos ist bekanntermaßen groß und so war das das Paradies dort. Grün, grün, grün und keinerlei Hauch von Herbst… Selbstverständlich passierte aber auch dort irgendwann, was einfach immer passiert: Wir stolperten über den Westwall. Wir leben ja auch hier zuhause quasi mittendrauf, aber das war selbst für mich etwas Neues: Auch wenn die Betonhöcker für sich ein wirklich vertrauter Anblick sind - eine Brücke voller Panzersperren habe ich noch nie gesehen… Daran ist einfach alles verrückt. Der Bau des Westwalls hat Menschen, Material und Geld verschlungen, hat unfassbar viel landwirtschaftliche Nutzfläche zerstört, das private Bauwesen quasi völlig zum Erliegen gebracht und am Ende die Gräuel des Krieges unnötig um viele Monate verlängert - und seine Überreste stehen immer noch unkaputtbar überall herum. „Denkmalwert des Unerfreulichen“ nennt man das und es wird immer wieder darüber diskutiert, aber ich finde das sehr richtig so. Auch das hier sind Stolpersteine, die daran erinnern, dass man alles dafür tun sollte, die Wiederholung eines solchen Wahnsinns auf immer zu verhindern. Scheint an Tagen wie heute ja nötiger denn je…


Seinen Abschluss fand der Tag mit einem weiteren Spaziergang, nochmal einige Höhenmeter weiter, durch das Hohe Venn. Auch diese sehr spezielle Hochmoor-Landschaft in den Ardennen stand schon lange auf meiner Muss-ich-unbedingt-mal-sehen-Liste. Bisher kannte ich sie nur im Winter vom Skifahren, wofür wir früher häufiger dorthin fuhren. Also nicht genau da, wo wir jetzt waren, das war alles Nationalpark, aber Mont Rigi und Baraque Michel, die klassischen Skigebiete, sind nicht weit. Wir parkten das Auto quasi auf der Grenze zu Belgien und überquerten diese während unseres Spaziergangs durch Heide, Moor und über Stege dann unzählige Male in beide Richtungen, das war sehr schön. So sollten Grenzen sein :) Neues Ziel: Auf jeden Fall nochmal wiederkommen, wenn die Heide blüht! Wir müssen eh nochmal los, denn die für den Rückweg lose angepeilten Ziele (Dreimühlen-Wasserfall, Pulvermaar und die Lavabombe von Strohn) haben wir ebenfalls vertagt. Einfach genug Input für einen einzigen Sonntag :)

31. August 2023

Back home

 Kein Sommer ging jemals so schnell vorbei wie dieser, soviel ist mal klar.

Nach dem Wochenende beginnt die Schule wieder, daran werden wir nichts ändern können, aber für das Wetter habe ich zumindest noch Hoffnung :) Wir waren ein paar Tage mit den „Kindern“ an der Côte d‘Azur und danach noch ein paar weitere Tage an der wirklich glutheißen Ardèche und seither bin ich damit beschäftigt, meinen Körper wieder mit normalen mitteleuropäischen Temperaturen vertraut zu machen. Noch ziert er sich ein wenig, ich arbeite schon wieder mit Decke und Wärmflasche… So faul tiefenentspannt wir im Urlaub waren, so produktiv war unser restlicher Sommer, in Haus und Garten vor allem. Diese Woche habe ich aber immerhin begonnen, die Kleine Werkstatt zu entstauben und stehe in den Startlöchern - ich freue mich drauf!

Urlaubsfotos bekommt Ihr auf jeden Fall auch noch zu sehen, aber eventuell hebe ich mir das wieder für die grauen Herbsttage auf, wenn ich am liebsten gar nicht mehr aus meinem Sessel aufstehen möchte…


26. Juni 2023

Mein insta-Wochenende am Gardasee

 Ok, "Gardasee" war am Ende dann mehr so eine grobe Richtungsvorgabe und wir haben auch noch recht viel drumherum gesehen ;) Jedenfalls war unser Plan für die Pfingstferien, Richtung Süden zu fahren - unsere hochtrabenden Ziele (Pfingstferien gibt es hier recht selten mal und im nächsten Jahr zum letzten Mal überhaupt, dabei ist das eigentlich so eine tolle Reisezeit, die man dringend nutzen müsste!) mussten wir im Laufe der Monate aus grauen Realitätsgründen (Firma, Turniere, Klausuren) von "Zwei Wochen Korsika/Portugal/Kroatien/Griechenland (halt irgendwas, wo es im August zu voll und zu heiß ist) allerdings auf "Mal ein bisschen länger an den Gardasee als immer nur eine Nacht" eindampfen - das allerdings haben wir dann auch geschafft, sogar mit beiden "Kindern". Und wenn man es genau nimmt, kommt die Große gerade sogar sehr viel bereitwilliger mit als die Missi - erstere bereitwillig, weil umsonst, letztere enorm widerwillig, weil Pferde. Also keine. Die in ihrer Vorstellung von perfekten Ferien eine sehr große Rolle spielen, im Gegensatz zu, ich zitiere "ständig Rumlaufen, olle Dörfer angucken und Kirchen besichtigen wie so alte Leute". Tjanun.

Wir starteten dann aber gar nicht mit ollen Dörfern und Kirchen, sondern mit den Schweizer Bergen. Endlich, endlich nämlich sind wir über statt durch den Gotthard gefahren - das wollten wir schon so oft tun und mit dem Wohnmobil oben am Sasso übernachten, aber immer passte es dann etappenmäßig so gar nicht. Nun eben so - Mittagspause mit viel Schnee, Eis und Aussicht, es war absolut fantastisch und sicher nicht das letzte Mal. Vor allem, weil sowohl der Mann als auch ich beide echt nicht so richtig gerne durch den Tunnel fahren, der ist einfach so unendlich lang und dann dieser direkte Gegenverkehr, gruselig. Win-win also und effektiv auch gar kein so großer Zeitverlust.


Am Lago angekommen bezogen wir unsere Ferienwohnung mit Garten direkt am See - das war der große Wunsch des Gatten, der keine Lust hatte, das SUP mehrmals aufzupumpen oder wahlweise irgendwie aufs Auto zu schnallen. Ansonsten war die Wohnung sehr..... italienisch, aber hey: Seegrundstück und ein Parkplatz fürs Auto! Prioritäten ;-) Tatsächlich schafften wir es dann auch noch, das SUP erstmalig zu Wasser zu lassen und Pizza für alle zu besorgen, bevor das erste Gewitter von vielen über uns hereinbrach. Es gewittert absolut IMMER, wenn wir in der Gegend unterwegs sind, das kam also nicht überraschend. Insgesamt war sehr wechselhaftes Wetter angesagt, freundlicherweise hat es dann aber, außer am ersten Tag, immer nur nachts geregnet, so dass wir tagsüber viel auf's und an's Wasser gehen konnten.


Der Mann und ich besichtigten ganz Alte-Leute-entsprechend Bardolino, Lazise und Sirmione, allerdings keine einzige Kirche, hah! (Sirmione war ganz in der Nähe unserer Wohnung, so dass wir dort mehrmals waren, tatsächlich auch mal mit den Kindern, denn da gibt es Eis und eine ganz hervorragende Pizza, wie sie aus vorangegangenen Besuchen wussten) Die Kinder hüteten derweil die Wohnung (WLan!) bzw. den Garten, sonnten sich, kauften für die nächsten Mahlzeiten ein (und kochten sogar mal) und gingen daneben diversen Muss-Tätigkeiten nach: Die Große saß an einer Hausarbeit und hatte eigentlich gar keine Zeit, überhaupt mitzufahren und die Missi hatte ein Buch zu lesen. "Im Westen nichts Neues", ganz leichte, heitere Urlaubslektüre also...


Der Mann und ich waren (statt Kirche) noch mal in den Grotte di Catullo, die weder Grotten sind, noch hat wohl Catullo jemals dort gelebt - aber es sind wunderbar gelegene Ruinen einer unfassbar riesigen römischen Villa, die ich wärmstens empfehlen kann (die Kinder wurden auch nur deshalb nicht mitgenötigt, weil sie schon mal dort waren ;-) Ebenfalls wärmstens empfehlen kann ich allerdings auch, früh am Vormittag zur Besichtigung anzutreten. Wir hatten das Areal quasi für uns alleine, aber als wir später nach einem Abstecher zum Jamaica Beach wieder durch den Kassenbereich zurück mussten, sind wir von der Welle Besichtigungswütiger und diverser Klassenfahrten beinahe überrollt worden...


Ersmals (und deswegen auch wieder mit Rücksitzbesatzung) waren wir dagegen in Borghetto di Valeggio, dem unverbauten mittelalterlichen Dorf am Mincio, dem knalltürkisfarbenen Abfluss des Gardasees. Der Ort ist berühmt für seine Tortellini, das dazugehörige Fest auf der beeindruckenden Ponte Visconteo haben wir allerdings knapp verpasst *hmpf* Der Fluss fließt mitten durch das gesamte Dorf und das ist durchaus wörtlich zu verstehen - harte Venedig-Vibes, allerdings mit sehr viel mehr Strömung ;-) Ich hätte Stunden bleiben können, auch, weil wirklich fast nichts los war. Überhaupt war es doch deutlich ruhiger überall, als im August, wer hätte das gedacht...


Und apropos Venedig. Das stand selbstverständlich kein bisschen auf unserer Liste, aber ebenso selbstverständlich sah das die U21-Fraktion der Familie völlig anders. Und wer wären wir, den Kindern diesen klitzekleinen Wunsch nicht zu erfüllen, wo sie schon so gnädig waren, uns überhaupt noch zu begleiten? Gleich am allerersten Tag versprach die Wettervorhersage am Lago Gewitter und Regen den ganzen Tag, also packten wir auf die 800 Kilometer des Vortags eben nochmal anderthalb Stunden drauf, stellten das Auto am alten Kreuzfahrtterminal ins Parkhaus und enterten ein Vaporetto in die Stadt. Unser Vorteil war, dass wir schon zweimal auf diese Art die Stadt besichtigt hatten und keine Zeit mehr mit Orientierung verschwenden mussten.


Tja, und was soll ich sagen? Das war eine ganz hervorragende Idee von den Kindern :) Wir haben eine lange Zeit einfach nur am Deck des Bootes gesessen und uns von den Eindrücken berieseln lassen, haben uns dann durch die (erfreulich leeren, eigentlich war es nur rund um Rialto und auf dem Markusplatz recht voll) Gassen treiben und von der Großen zu einem ganz hervorragenden, kleinen Pasta-Lädchen lotsen lassen, wo wir uns (zweimal, hüstel) mit Take away eindeckten, das wir dann ganz verbotenerweise, aber dafür sehr schön, auf der Kante eines Kanals genossen und dabei den Gondeln zuschauten.
Alles in allem ein sehr gelungener Tag und mit deutlich besserem Wetter als gleichzeitig "zuhause" am See, da regnete es nämlich offensichtlich den ganzen Tag.


Regen bekamen wir dann allerdings am allerletzten Tag auch nochmal zu sehen. In Verona nämlich, wie sollte es anders sein. Wir besitzen schon zwei Familiensätze Regenschirme aus Verona, weil dort auch bei unseren letzten Besuchen immer sehr spontan mal die Welt unterging und wir waren fest entschlossen, keinen dritten dazukommen zu lassen - auch wenn die einem, ebenso wie die klassischen Mülltüten-Capes, beim ersten Regentropfen wirklich an jeder Ecke angeboten werden. Scheint ein lukratives Geschäft zu sein ;) Wir entschieden uns alternativ für eine kleine Runde mit der Bimmelbahn (mit Dach!) zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten, wir waren ja nun schon mehrmals dort und die Kinder wollten eigentlich eh nur zu einer ganz bestimmten Eisdiele, bevor wir uns auf den langen Heimweg machten. Diesmal übrigens durch den Tunnel, aus Vernunftgründen (die Hausarbeit, die wartenden Pferde!) Obenrum war aber definitiv schöner...

21. Januar 2023

Sommertour 2022 oder…

… wie late to the party kann man eigentlich sein?
Gestern abend haben wir hier gesessen, dem Schnee beim Fallen
zugeschaut und uns Gedanken über den Sommerurlaub gemacht. 
Was man halt so tut, wenn die Tage immer noch viel zu
langsam länger werden und die Nachrichtenlage unverändert
schwierig ist. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich die letzte 
Sommertour noch gar nicht verbloggt hatte. Das Ende vom
Lied: Ich habe dem Schnee noch bis weit nach Mitternacht 
zugeschaut, Fotos zu Collagen verarbeitet und bin jetzt
eindeutig in Urlaubsstimmung...

Auch Lust auf ein bisschen Sonne, Wasser und 
Alltagseskapismus? Los geht’s.

(Ein Klick auf die Bilder macht sie übrigens größer.)


Wir waren Ende Juli/Anfang August mit dem Wohnmobil unterwegs und die
einzigen Vorgaben waren „ins Warme, wo man ins Meer kann“ (die Missi) 
und „nicht nochmal nach Italien“ (ich). Ersteres hat geklappt, letzteres...
naja, nur so halb. Was nicht zuletzt daran lag, dass unsere nur sehr grob
geplante Route sogar der Großen offenbar so gut gefiel, dass sie
beschloss, einfach mitzukommen, obwohl sie doch „Nie! wieder! mit!
Euch!!“ Wohnmobil fahren wollte. Im Gegensatz zum letzten Mal
hat sie diesmal aber auch kein einziges Mal Flixbusse nach Hause
gegoogelt *g* Jedenfalls bin ich unterwegs irgendwann einfach 
schnöde überstimmt worden, so dass wir Italien dann auch noch gesehen 
haben. Erstmal starteten wir aber ganz entspannt Richtung Frankreich
(ok, das ist leicht von hier ;), verbrachten die erste Nacht in
den Vogesen und fuhren dann einmal quer durch die Bourgogne,
was ich wirklich jedem wärmstes ans Herz legen kann.
Klischee-Frankreich vom Feinsten.


Eine weitere Nacht verbrachten wir an der Rhône. Überhaupt haben wir in 
diesem Bereich die Autobahn komplett ignoriert und sind einfach immer am 
Ufer entlang auf der berühmten RN7, der „Route Bleue“ gefahren. So haben wir 
nicht nur diverse Dörfer und Städtchen zu sehen bekommen, sondern auch den 
berühmten Kilometer 500, der die Hälfte des Weges zwischen Paris 
und der Côte d‘Azur markiert. Auch als heutige Nebenstraße ist sie mit dem 
Wohnmobil überall bequem zu befahren und generell, auch mit dem Auto, 
definitiv eine attraktive Alternative zur teuren, monotonen 
Autoroute du Soleil.


Ein bisschen weiter südlich haben wir dann der Missi einen riesengroßen Traum
erfüllt, die wollte nämlich unbedingt nochmal auf der Ardèche Kanu fahren.
Hier hatten wir vor zwei Jahren ja schonmal eine Woche im Mobilehome 
auf einem Campingplatz verbracht, allerdings war das etwa drei Tage nach Ende 
des französischen Lockdowns und dementsprechend einfach total leer.
Und jetzt dann Ardèche Ende Juli unter Volllast? Ich hatte gewisse Zweifel,
dass es nochmal so schön werden würde, wurde aber eines besseren 
belehrt. Klar, natürlich war es voller, aber es war noch angenehm,
sogar für mich. Und, noch wichtiger, es war auch noch genügend 
Wasser zum Paddeln im Fluss, denn es war nicht nur schon seit
Wochen, sondern auch jetzt brüllheiß, wo wir auch hinkamen.
Einen Schattenplatz zum Schlafen zu finden, war immer das 
A und O. (Einen Schattenplatz mit Blick aufs Wasser, denn das ist 
immer meine Bedingung. (Hier Augenrollen vom Mann einfügen ;)
Dabei ist mir total egal, was für ein Wasser - Meer, Fluss, See,
Kanal, Teich, Pfütze - da bin ich total unkompliziert *flöt*
Gelingt aber tatsächlich fast immer.)


Nach den Tagen an der Ardèche schoben wir noch eine Nacht in Arles ein.
So. Eine. Tolle. Stadt! Der Mann und ich erkundeten sie in der Dämmerung mit
den Rädern und am nächsten (sehr frühen) Morgen nochmal zu Fuß. Die
Kinder weigerten sich rundheraus, „Viel zu heiß!“ und bewachten mit 
Büchern, Endgeräten, Kaltgetränken und Eis lieber unser Zuhause.
Auch gut. Zum Glück sind sie ja alt genug, um sie zurückzulassen...


Das nächste Ziel hatten dann konsequenterweise wieder die Kinder 
vorgegeben und selbstverständlich landeten wir an der 
Côte d‘Azur - die lieben sie einfach beide heiß und innig und wer könnte
es ihnen verdenken? Allerdings, Côte d’Azur im Hochsommer mit dem 
Wohnmobil? Einfach so, auf Verdacht? Haha. Hahahahaaaaaa.
Aus Gründen haben wir das noch nie gemacht.
No way. Tja. Und dann fanden wir einfach diesen Platz.
Ohne Worte. Klar, dass wir dann einfach ein paar Tage
länger blieben, oder? (Und ja, es war über Mittag oft echt voll. 
Jede Nacht um vier ist der Traktor über den Strand gefahren, drei
Meter neben meinem Ohr. Das war die Bucht von Saint Tropez, 
da hört man die Küstenstraße nachts zur Not von zwei Seiten 
gleichzeitig und mein Verständnis von „Meer“ ist das
jetzt auch nicht unbedingt. Aber. Die Kinder waren glücklich.
Wir hatten morgens bis elf und abends ab sechs den Strand 
für uns. Wir standen im Sand, direkt unter einer Pinie und
neben einer Palme. Es war ein Sechser im Lotto. 
Trotzdem würde ich diese Herangehensweise im Sommer 
an der Côte d’Azur wirklich niemandem empfehlen - 
wir hätten auch für eine Nacht am Straßenrand vorm 
Campingplatztor enden können. Hatten wir in der Form
auch schon...)


Schlussendlich waren wir eine ganze Woche dort, glaube ich, und haben einfach 
 die Seele nach allen Regeln der Kunst baumeln lassen. Der Mann und die Kinder
haben Jetskis ausgeliehen, mit denen man ohne Stau und Umwege nach 
St. Tropez gelangen konnte (Dort war es übrigens so leer, wie ich es 
überhaupt noch nie erlebt habe und schon gar nicht im Sommer. Der
Jetset hatte offenbar Flugreisen nachzuholen nach zwei Jahren
Pandemie und aus Russland heraus reist es sich momentan ja 
auch eher beschwerlich...), ich habe mich vom Mann auf dem SUP übers
Wasser chauffieren lassen (die einzige Art, wie das Meer und ich
zusammenkommen!) und ansonsten haben wir stundenlang
vorm Camper im Sand gesessen oder gelegen, gelesen, 
gelegentlich eine Pizza geholt und... einfach mal nichts getan.
Ach ja, doch - die weitere Route geplant, denn ab hier 
begann dann wieder unweigerlich der Heimweg....

~~ to be continued ~~