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28. September 2024

Silence! { Mein insta-Sommer in der Bretagne }

Weiter geht’s - eigentlich habe ich gerade gar keine Zeit, hier zu schreiben, weil riesige Baustelle im Haus, Mann und Missi beim Fußball und Steuererklärung und bliblablubb, aber genau deswegen brauche ich jetzt dringend mal ein halbes Stündchen Alltagseskapismus. Zumindest, bis die Mittagszeit verstrichen ist und man wieder Krach machen darf ;)

Der Familienstrand also. Dreh- und Angelpunkt eines jeden Bretagne-Urlaubs und für mich wirklich der schönste Ort auf der ganzen Welt. Da lege ich mich fest. Wenn ich nur noch ein Urlaubsziel haben dürfte für den Rest meines Lebens, dann wäre es dort. „Du kommst dahin und sofort ist Dein Leben in Ordnung“ sagte die Schwägerin neulich und sie hat absolut recht.


Und so haben wir dort sehr viel Zeit verbracht, zugunsten derer wir im Fortgang des Urlaubs etliche weitere Ziele einfach gestrichen haben, aber das war ok - wir waren ja wirklich schon oft in der Bretagne und so hielt sich die FOMO in Grenzen ;) Ein kleines Stück sind wir noch auf dem GR34 gelaufen, dem Wanderweg vom Mont Saint-Michel bis nach Saint-Nazaire, immer hart entlang der Küste und zurecht einer der schönsten Wanderwege Europas. Ihn irgendwann mal ganz gelaufen zu sein, erscheint allerdings utopisch. Es sind etwa siebzehnhundert Kilometer ;)


Als wir dann doch irgendwann mal endgültig weiterfuhren, ging es als erstes zur Pointe Saint-Mathieu - diese bizarre Kombi aus Kirchenruine und Leuchtturm wollte ich unbedingt nochmal besuchen. Das dort ist dann wirklich mal Finistère (= Ende der Erde), denn dahinter kommt nix mehr (außer irgendwann Nordamerika, aber das wusste man damals noch nicht). War toll, hat sich für mich aber nur so mittel gelohnt, denn ich habe dort wohl endgültig, final und für immer meinen Lieblingsschal verloren, den ich seit mindestens 30 Jahren getragen habe. Er war schon mehrfach länger weg, aber dass ich ihn jetzt nochmal wiederbekomme, erscheint doch eher aussichtslos. Ich vermute, dass er mir beim Einsteigen aus der Tür gefallen ist. RIP Lieblingsschal, das wird ein trauriger Winter ohne Dich :( 


Von der Pointe aus ging es dann tatsächlich doch noch ein wenig südwärts, mit Zwischenstopp in Pont-Aven, der malerischen Paul-Gauguin-Stadt mit vielen Brücken und noch mehr Galerien. Das erste wirklich krass touristische Ziel auf unserer Reise (ok, Saint Malo, aber auch da war es eigentlich nur voll, wenn die Fähre aus England ankam), aber auch hier zeigte sich: Zwischen „voll“ und „richtig voll“ liegen oft Welten. Wer mal im Sommer in Saint-Tropez war oder mit einem Kreuzfahrtschiff in Dubrovnik, weiß, wovon ich spreche… War also schön in Pont-Aven, besonders morgens auf der Bäckerrunde, als wirklich alle anderen noch schliefen ;)


Viel weniger pittoresk aber anders speziell war es wie immer in Lorient, wo wir selbstverständlich wieder bei „La Base“ vorbeischauen mussten. Das sind unzählige, gigantisch große, deutsche (natürlich…) U-Boot-Bunker im Hafen, unkaputtbar und deswegen mittlerweile alle anderweitig genutzt, viele davon als Museen. Der Mann hat sie alle nochmal besucht, mir hat einmal gereicht, wir waren nämlich schon mal mit den Kindern da und ich hatte den Geruch noch ausreichend in der Nase. Es riecht dort so morbide-modrig, wie die Teile alt sind. Wir parkten den Camper also neben ein paar Fischern an der Mole und ich habe einen sehr gemütlichen Tag mit Buch und Aussicht im Bett verbracht, während der Mann nur gelegentlich mal reingeschaut hat, um einen Kaffee zu trinken oder die nächste Ausstellung zu planen ;)


Da wir zum Abschluss noch ein/zwei Tage am Strand sein wollten, machten wir von Lorient aus noch einen letzten Abstecher auf die Presqu‘île de Quiberon. Südbretagne also. Bin gar nicht so ein großer Fan, ich mag den wilden Norden einfach so viel lieber. Aber da ging es eigentlich, besonders in Carnac ;)


Die Halbinsel ist wirklich brutal schmal. Wir standen auf der eher tümpeligen Seite der Baie, also dort, wo das Meer bei Ebbe wirklich komplett weg ist, aber man konnte problemlos auf die andere Seite laufen und dort war es mehr so vom Typ Traumstrand. Weitläufig, leer und alles hat geglitzert. Hier haben wir die letzten beiden Tage entspannt ausklingen lassen und sind wirklich erst kurz vor knapp Richtung zuhause aufgebrochen.


Eine Zwischenübernachtung musste reichen und die haben wir irgendwo im Brie eingelegt, wieder auf einem wirklich schönen Dorfplatz, diesmal am Fluss, irgendwo südöstlich von Paris. Und das war dann schon wieder so nah an zuhause, dass wir einen großen Teil des restlichen Weges abseits der Autobahn zurückgelegt haben und trotzdem noch früh genug wieder zuhause waren, um den Camper zu räumen. Und die Blumen zu gießen. Denn sagen wir mal so: Es ist praktisch, die Urlaubsvertretung direkt persönlich zuhause zurückzulassen aber, eventuell… äh… müssen wir in Zukunft unsere Anweisungen noch etwas präzisieren. So! Es hat nämlich niemand vergessen, den Garten zu gießen, wir haben uns nur nicht klar genug ausgedrückt!

25. September 2024

Vers l'ouest! { Mein insta-Sommer in der Bretagne }

 In diesem Sommer haben wir es endlich mal wieder in kühlere Gefilde geschafft - was nicht etwa daran lag, dass der Sommer bis dahin so heiß gewesen wäre, dass man dringend mal raus musste (also WIRKLICH nicht…), sondern einzig und allein daran, dass die Kinder es beide vorzogen, zuhause zu bleiben, so dass wir nicht zum wiederholten Male in den Süden genötigt wurden. Ok, man könnte es natürlich auch umgekehrt formulieren: Aufgrund des von uns ins Auge gefassten Reiseziels zogen es beide Kinder vor, doch lieber einfach zuhause zu bleiben ;)


Als uns dieser Entschluss mitgeteilt wurde, zuckten wir also nur wenig überrascht mit den Schultern und mieteten uns statt des obligatorischen Wohnmobils einen handlicheren Camper - das ist ja eh unser Ziel für die Zukunft, da man durch die geringeren Maße ja nochmal deutlich mehr Flexibilität gewinnt, unterwegs und bei potenziellen Schlafplätzen, weniger verbraucht und trotzdem alles an Bord hat (niemals ohne Klo und Dusche, wirklich niemals ;) Die ersten zwei Stunden war es brutal komisch ohne Kinder hintendrin, aber spätestens bei Erreichen unserer ersten Zwischenübernachtung auf einem Dorfplatz neben einem Mammutbaum in…. irgendwo kurz vor Paris, hatten wir uns wieder in das Pärchenleben von vor 20 Jahren eingegroovt.


Unser erstes Ziel hieß Saint-Malo. Bekannte Gefilde, da waren wir schon oft, perfekt zum An- und Runterkommen und einfach immer wieder eine wunderschöne Stadt. Ursprünglich wollten wir nur eine Nacht bleiben, aber es wurden drei daraus. Mit diversen Stadtbummeln, abendlichen Besuchen bei täglich wechselnden Foodtrucks und viel Lesezeit.


Unser Ankerpunkt ist dort immer der Canpingplatz auf der anderen Seite der Bucht. Ruhig, mit Aussicht und zu Fuß ist es ein netter Spaziergang bis zur Stadtmauer. Wir hatten bei Abfahrt zuhause ganz spontan den Fahrradträger nochmal abgebaut (das war so ein gruseliges Ding, das nur auf die Anhängerkupplung gedreht wurde, man sah sich automatisch schon die Räder von der Autobahn sammeln, außerdem ließen sich damit die Hecktüren am Bett nicht öffnen und das ist ja wohl das tollste, mit offenen Türen am Meer im Bett zu liegen!) und waren mit nur einem Rad (in der Heckgarage) und einem Paar Inliner unterwegs. Das funktionierte in der Praxis super - ich das Rad, der Mann die Inliner. Oder der Mann das Rad und ich derweil im Bett mit Buch ;)


Von Saint-Malo aus arbeiteten wir uns dann weiter westwärts, immer hart entlang der Küste.
Am wunderschönen Cap Fréhel machten wir nochmal Station….


… und überhaupt an jedem Cap und jeder Bucht, die uns von der Straße aus anlachte. Für ein Stündchen Füßehochlegen, zum Mittagessen oder Kaffeetrinken. Das darf man auf dem meisten (Park-)Plätzen, nur frei Übernachten ist in den vergangenen Jahren wirklich schwieriger geworden, zumindest im Sommer. Wir haben aber trotzdem immer was Schönes gefunden (und wie immer nichts im Vorraus gebucht).


Ein besonderes Highlight war für mich die Abbaye de Beauport, dort waren wir vorher noch nie und ich bin wirklich froh, dass wir den Abstecher diesmal gemacht haben. Ich bin eh anfällig für sakrale Orte, die strahlen oft so eine ganz besondere Ruhe aus und der hier war wirklich besonders unter den Besonderen. Ein unbeschreiblich schöner Ort, von dem ich gar nicht mehr weggewollt hätte…


… wenn am Ende dieser Etappe nicht mein absoluter Lieblingsort auf der ganzen Welt gewartet hätte :)) 
Hierher stammt der bretonische Teil der Schwiegerfamilie, hier hat der Mann ganze Sommerferien verbracht und ich werde ihm immer dankbar sein, dass er auch mich vor vielen, vielen Jahren hierher gebracht hat. Hier gibt es nichts (außer die schönsten Muscheln ever!), aber es ist so unendlich schön. Man müsste dreimal im Jahr herkommen, mindestens, aber es ist halt wirklich elend weit weg.


Nahe des Familienstrandes auf dem Campingplatz direkt am Meer haben wir einfach tagelang nichts gemacht außer Spazieren, Rumliegen, Lesen, im Watt wandern (ich) und Crevetten fangen (der Mann, brrrrr), über Märkte bummeln und auf Felsen klettern. Oh, und dem Kommen und Gehen des Wassers haben wir ziemlich viel zugeschaut. Eventuell war das Jahr fordernd bis dahin, so dass wir wirklich gar keine Ambitionen hatten, mehr zu tun als… nichts ;) Nicht mal die Familie haben wir besucht, die war nämlich noch in Paris.


Und auch hier sind wir wieder viel länger geblieben, als ursprünglich geplant, so dass wir den Rest unserer geplanten Route dann gnadenlos eingedampft haben. Aber das Wetter war auch deutlich besser als erwartet, so bestand gar keine Notwendigkeit, uns weiter in den Süden vorzuarbeiten.

To be continued…










21. Januar 2023

Sommertour 2022 oder…

… wie late to the party kann man eigentlich sein?
Gestern abend haben wir hier gesessen, dem Schnee beim Fallen
zugeschaut und uns Gedanken über den Sommerurlaub gemacht. 
Was man halt so tut, wenn die Tage immer noch viel zu
langsam länger werden und die Nachrichtenlage unverändert
schwierig ist. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich die letzte 
Sommertour noch gar nicht verbloggt hatte. Das Ende vom
Lied: Ich habe dem Schnee noch bis weit nach Mitternacht 
zugeschaut, Fotos zu Collagen verarbeitet und bin jetzt
eindeutig in Urlaubsstimmung...

Auch Lust auf ein bisschen Sonne, Wasser und 
Alltagseskapismus? Los geht’s.

(Ein Klick auf die Bilder macht sie übrigens größer.)


Wir waren Ende Juli/Anfang August mit dem Wohnmobil unterwegs und die
einzigen Vorgaben waren „ins Warme, wo man ins Meer kann“ (die Missi) 
und „nicht nochmal nach Italien“ (ich). Ersteres hat geklappt, letzteres...
naja, nur so halb. Was nicht zuletzt daran lag, dass unsere nur sehr grob
geplante Route sogar der Großen offenbar so gut gefiel, dass sie
beschloss, einfach mitzukommen, obwohl sie doch „Nie! wieder! mit!
Euch!!“ Wohnmobil fahren wollte. Im Gegensatz zum letzten Mal
hat sie diesmal aber auch kein einziges Mal Flixbusse nach Hause
gegoogelt *g* Jedenfalls bin ich unterwegs irgendwann einfach 
schnöde überstimmt worden, so dass wir Italien dann auch noch gesehen 
haben. Erstmal starteten wir aber ganz entspannt Richtung Frankreich
(ok, das ist leicht von hier ;), verbrachten die erste Nacht in
den Vogesen und fuhren dann einmal quer durch die Bourgogne,
was ich wirklich jedem wärmstes ans Herz legen kann.
Klischee-Frankreich vom Feinsten.


Eine weitere Nacht verbrachten wir an der Rhône. Überhaupt haben wir in 
diesem Bereich die Autobahn komplett ignoriert und sind einfach immer am 
Ufer entlang auf der berühmten RN7, der „Route Bleue“ gefahren. So haben wir 
nicht nur diverse Dörfer und Städtchen zu sehen bekommen, sondern auch den 
berühmten Kilometer 500, der die Hälfte des Weges zwischen Paris 
und der Côte d‘Azur markiert. Auch als heutige Nebenstraße ist sie mit dem 
Wohnmobil überall bequem zu befahren und generell, auch mit dem Auto, 
definitiv eine attraktive Alternative zur teuren, monotonen 
Autoroute du Soleil.


Ein bisschen weiter südlich haben wir dann der Missi einen riesengroßen Traum
erfüllt, die wollte nämlich unbedingt nochmal auf der Ardèche Kanu fahren.
Hier hatten wir vor zwei Jahren ja schonmal eine Woche im Mobilehome 
auf einem Campingplatz verbracht, allerdings war das etwa drei Tage nach Ende 
des französischen Lockdowns und dementsprechend einfach total leer.
Und jetzt dann Ardèche Ende Juli unter Volllast? Ich hatte gewisse Zweifel,
dass es nochmal so schön werden würde, wurde aber eines besseren 
belehrt. Klar, natürlich war es voller, aber es war noch angenehm,
sogar für mich. Und, noch wichtiger, es war auch noch genügend 
Wasser zum Paddeln im Fluss, denn es war nicht nur schon seit
Wochen, sondern auch jetzt brüllheiß, wo wir auch hinkamen.
Einen Schattenplatz zum Schlafen zu finden, war immer das 
A und O. (Einen Schattenplatz mit Blick aufs Wasser, denn das ist 
immer meine Bedingung. (Hier Augenrollen vom Mann einfügen ;)
Dabei ist mir total egal, was für ein Wasser - Meer, Fluss, See,
Kanal, Teich, Pfütze - da bin ich total unkompliziert *flöt*
Gelingt aber tatsächlich fast immer.)


Nach den Tagen an der Ardèche schoben wir noch eine Nacht in Arles ein.
So. Eine. Tolle. Stadt! Der Mann und ich erkundeten sie in der Dämmerung mit
den Rädern und am nächsten (sehr frühen) Morgen nochmal zu Fuß. Die
Kinder weigerten sich rundheraus, „Viel zu heiß!“ und bewachten mit 
Büchern, Endgeräten, Kaltgetränken und Eis lieber unser Zuhause.
Auch gut. Zum Glück sind sie ja alt genug, um sie zurückzulassen...


Das nächste Ziel hatten dann konsequenterweise wieder die Kinder 
vorgegeben und selbstverständlich landeten wir an der 
Côte d‘Azur - die lieben sie einfach beide heiß und innig und wer könnte
es ihnen verdenken? Allerdings, Côte d’Azur im Hochsommer mit dem 
Wohnmobil? Einfach so, auf Verdacht? Haha. Hahahahaaaaaa.
Aus Gründen haben wir das noch nie gemacht.
No way. Tja. Und dann fanden wir einfach diesen Platz.
Ohne Worte. Klar, dass wir dann einfach ein paar Tage
länger blieben, oder? (Und ja, es war über Mittag oft echt voll. 
Jede Nacht um vier ist der Traktor über den Strand gefahren, drei
Meter neben meinem Ohr. Das war die Bucht von Saint Tropez, 
da hört man die Küstenstraße nachts zur Not von zwei Seiten 
gleichzeitig und mein Verständnis von „Meer“ ist das
jetzt auch nicht unbedingt. Aber. Die Kinder waren glücklich.
Wir hatten morgens bis elf und abends ab sechs den Strand 
für uns. Wir standen im Sand, direkt unter einer Pinie und
neben einer Palme. Es war ein Sechser im Lotto. 
Trotzdem würde ich diese Herangehensweise im Sommer 
an der Côte d’Azur wirklich niemandem empfehlen - 
wir hätten auch für eine Nacht am Straßenrand vorm 
Campingplatztor enden können. Hatten wir in der Form
auch schon...)


Schlussendlich waren wir eine ganze Woche dort, glaube ich, und haben einfach 
 die Seele nach allen Regeln der Kunst baumeln lassen. Der Mann und die Kinder
haben Jetskis ausgeliehen, mit denen man ohne Stau und Umwege nach 
St. Tropez gelangen konnte (Dort war es übrigens so leer, wie ich es 
überhaupt noch nie erlebt habe und schon gar nicht im Sommer. Der
Jetset hatte offenbar Flugreisen nachzuholen nach zwei Jahren
Pandemie und aus Russland heraus reist es sich momentan ja 
auch eher beschwerlich...), ich habe mich vom Mann auf dem SUP übers
Wasser chauffieren lassen (die einzige Art, wie das Meer und ich
zusammenkommen!) und ansonsten haben wir stundenlang
vorm Camper im Sand gesessen oder gelegen, gelesen, 
gelegentlich eine Pizza geholt und... einfach mal nichts getan.
Ach ja, doch - die weitere Route geplant, denn ab hier 
begann dann wieder unweigerlich der Heimweg....

~~ to be continued ~~

18. Februar 2022

Memories: Roadtrip Süditalien { Sommer 2021 } II

Und weiter geht die wilde Fahrt.
Nach einer weißen Stadt ist die nächste weiße Stadt nicht weit, so
läuft das in Apulien...


Nach unserem Straßen-Tetris in Monopoli und ein wenig Erholung beschlossen wir,
den Stiefel zu queren und später entlang des Mittelmeeres wieder nordwärts
zu fahren. Auf dem Weg ins Landesinnere säumten nicht nur haufenweise bewohnte
und unbewohnte Trulli unseren Weg, sondern auch immer mal wieder kleinere
und größere Feuer. Manchmal brannte nur die Böschung, dann wieder ganze
Felder. Es war einfach unglaublich trocken und heiß und die ganze Gegend roch
vor allem nachts latent nach Grasfeuer. Vom Meer aus ging es immer weiter
in die Berge und dort wurden auch die Temperaturen angenehmer, so dass 
wir uns Alberobello, die Hauptstadt der Trulli, bei einem lauen Lüftchen
anschauen konnten. Dieses Meer von Steindächern ist einfach phänomenal -
und auch hier war deutlich weniger los als beim letzten Mal. Also 
nichts eigentlich, nachdem es damals eigentlich zuging wie auf 
den Ramblas in den Abendstunden ;-) Tatsächlich blieben wir dann,
entgegen unserer ursprünglichen Planung, nicht über Nacht in 
Alberobello, obwohl es an unserem Stellplatz sehr, sehr verlockend
nach Pizza roch. Aber wir hatten noch eine weitere Stadt
auf der Liste, die schon seit einigen Jahren auf unserer Bucket List
steht und die man unbedingt im Abendlicht gesehen haben sollte:


Matera, die Höhlenstadt in der Basilikata :)
Was! Für! Ein! Anblick! 
Wir standen ewig auf diesem Balkon und sind im Laufe des Abends auch immer wieder 
dorthin zurückgekehrt. Diese Altstadt aus Höhlen und in die Felsen gebauten Häusern 
ist so unfassbar riesig und so... anders als alles andere, es ist absolut unbeschreiblich
und definitiv eine Erinnerung fürs Leben.
Einen innenstadtnahen Stellplatz gab es hier aus erkennbaren Gründen keinen 
(und wenn, hätten wir ihn nach der Monopoli-Erfahrung kurz zuvor vermutlich
keinesfalls angefahren ;-) Deswegen übernachteten wir diesmal sehr unglamourös
irgendwo im buchstäblichen Nirgendwo an einer Landstraße, mit Blick auf viele
andere Wohnmobildächer und eine Betonwand. Die Betreiber dieses Platzes
waren aber sensationell - zur Begrüßung gab es ein Brot geschenkt (vermutlich, 
weil sie wussten, dass in der Nähe eher nichts Essbares aufzutreiben war) und
außerdem einen top organisierten Shuttleservice in die Altstadt, wegen Corona
fein säuberlich nach Familien getrennt. Solche Angebote sind auf Roadtrips
absolut unbezahlbar, denn gerade viele alte Städte sind mit Wohnmobilen
größer als ein Kastenwagen sonst quasi nicht zu erreichen (q.e.d.).
Deswegen haben wir auch immer Fahrräder dabei - wenn auch diesmal nur
zwei, im Notfall reicht das für vier Personen und echte Radtouren stehen 
bei Temperaturen deutlich jenseits von dreißig Grad bei uns definitiv
 nicht auf dem Zettel....


Am nächsten Tag querten wir die Basilikata dann komplett - sehr viele Berge und noch 
mehr, oft reichlich zweifelhafte, Autobahnbrücken - und erreichten gegen Abend,
nachdem wir in weiser Voraussicht noch einmal sehr gründlich eingekauft hatten,
das Ziel, das die Kinder sich ausbedungen hatten, sobald klar war, dass wir am 
Mittelmeer entlang zurückfahren würden: Den traumhaften Stellplatz im Cilento,


Und sagen wir mal so: der Mann und ich mussten nicht lange gebeten werden :)
Da wollten wir wirklich unbedingt alle nochmal hin. Wegen der Wellen, des ganz
besonders blauen Wassers, dem Blick auf die Amalfiküste - und wegen der Pizza,
die Federica am Wochenende auf Wunsch für ihre Gäste backt. Definitiv die
beste Pizza, die wir jemals hatten! Wir fanden wieder einen Platz direkt an
der Wasserkante und machten dann ein paar Tage lang einfach mal gar nichts
außer die Seele baumeln zu lassen und den Fischerbooten zuzuschauen. 
Ehrlicherweise kann man dort auch absolut nichts anderes tun, denn es gibt
einfach nichts. Aber das ist ja genau das Schöne daran...


Eine Sache taten wir dann aber doch noch - wir liehen uns wieder Fernandos Auto aus,
das inzwischen hauptsächlich von Reißzwecken zusammengehalten wurde und 
eigentlich auch immer noch einen Schwupp zu groß ist, um entspannt die Amalfitana
entlangzufahren. (Obwohl ich sowieso sicher glaube, dass dort niemand mehr 
entspannt entlanggefahren ist, seit es andere Gefährte gibt als Eselskarren und
Fiat 500s, aber gut.) Wir haben es uns jedenfalls nochmal aus Überzeugung angetan,
weil es einfach so unglaublich schön ist. Und voll. Aussteigen wollten wir
eigentlich nirgendwo und wir sind die Straße diesmal umgekehrt gefahren, 
denn erfahrungsgemäß hat man gegen Ende gar nicht mehr so
den Blick. An Positano konnte ich mich zum Beispiel nur noch sehr schemenhaft
erinnern und das hat es wirklich nicht verdient.
Alternativ hätten wir auch ein Schiff nehmen können, die 
fahren von Sorrent und Salerno aus sehr regelmäßig mit Halt in allen 
Orten und ich freue mich schon darauf, die Küste nächstes Mal vom Wasser aus 
besichtigen zu dürfen - der Mann hat nämlich geschworen, dass es kein 
drittes Mal am Steuer eines Autos geben wird und der
ist eigentlich sehr hart im Nehmen...

17. Februar 2022

Memories: Roadtrip Süditalien { Sommer 2021 } I

 Der Februar ist grau und nass, wir verbringen überproportional viel Zeit auf der
Couch und beschäftigen uns vorzugsweise mit stimmungsaufhellenden 
Tätigkeiten wie Fotobücher erstellen oder Urlaube planen. Beides hat mich
daran erinnert, dass ich noch die Fotos von unserem letztjährigen Roadtrip in den
sonnigen Süden schuldig bin. Und wann wäre die Zeit besser als jetzt, im
grauen, nassen und endlosen Corona-Februar, nicht wahr?


Planungstechnisch war der letzte Sommer ja durchaus nochmal herausfordernd - wir
wussten, wir wollten mal wieder Kilometer mit dem Wohnmobil machen. Aber wohin,
das war die Frage - eigentlich bis zum Tag vor der Abfahrt. Die Bretagne und 
Süditalien waren am Ende noch in der engen Auswahl - dort waren die Coronazahlen
niedrig und die Gegenden sind ideal für spontane Roadtrips. Der Ausschlag gab am Ende,
etwa zwölf Stunden vor Abfahrt, ganz profan das Wetter! Nichts gegen Bretagnewetter,
aber wir hatten seit Wochen Bretagnewetter und irgendwann ist auch mal gut. 
Italien und mich verbindet ja eher eine Hassliebe - zu warm, zu laut, zu voll.
Aber halt schön. Schwierig. Um "laut" und "voll" zu umgehen, beschlossen wir,
uns möglichst weit in den Süden zu bewegen. Besser zu heiß als zu voll. 
Wir packten also die Wohnbüchse unter Zurücklassung von Hoodies und Jeans 
und machten uns spätnachmittags auf eine 1500-Kilometer-Südwärts-Etappe
mit Grobziel Apulien. Zur blauen Stunde waren wir in Straßburg, die erste Nacht 
verbrachten wir in Kehl am Wasserturm. An nächsten Tag durchquerten wir die 
Schweiz und schlugen unser Nachtlager auf dem bereits bekannten halblegalen
Stellplatz am Comer See auf. Dort ging im Verlauf der Nacht mal wieder die
Welt unter, wie eigentlich absolut IMMER, wenn wir dort übernachten. 
Traditionen, so wichtig! Nach zwölf Stunden Dauergewitter machten wir, 
dass wir weiterkamen ;-)


Die nächsten beiden Tage führten uns quer durch die Emilia-Romagna bis an die
Adria. Wir machten einen Abstecher nach Ascoli Piceno, wo es einen netten
Stellplatz mitten in der Stadt gab, was ja eher selten ist. Vor 30 Jahren war ich zwei
Wochen lang zum Schüleraustausch in Ascoli und habe dieses Städtchen in den
Marken lieben gelernt. Seitdem war ich nie wieder dort, wurde also Zeit. Wir 
schlenderten durch die Gassen, aßen lecker zu Mittag und ich überwand sogar mein
Ascolanisches-Oliven-Trauma. Was haben wir früher unter den Dingern gelitten, die
sich riesig und kalt in jedem Proviantpaket fanden und uns dreimal täglich als 
tollste Spezialität der Stadt angeboten wurden! Riesige, panierte Fettklumpen, die
sich ganz schlecht unauffällig verschwinden ließen. Tjanun. Diesmal, oh Wunder,
waren sie ganz lecker. Eigentlich sogar sehr lecker. Eventuell lag es daran, dass
sie diesmal heiß serviert wurden. Und dass ich Oliven mittlerweile echt gerne
esse, könnte natürlich auch geholfen haben... Heiß war es allerdings auch in
der Stadt und das nicht zu knapp, deswegen suchten wir uns für die kommende
Nacht wieder einen Platz am Wasser und fanden einen netten kleinen 
Stellplatz im Schatten eines mittelalterlichen Turmes im Molise,
in der Nähe von Termoli.


Dieser Platz direkt an einem wilden Strand voller Treibholz (wir haben sehr viel 
davon mitgenommen, Props an die große Heckgarage!) war so schön, dass wir 
dann auch gleich zwei Nächte blieben und mal so ordentlich chillten. Der Mann und 
die Kinder am Wasser im Sand, wo absolut niemand war außer uns - und ich in 
meinem Liegestuhl oben am Camper. Traumleben! Heiß war es allerdings immer noch...


... und das wurde auch nicht besser, als wir uns noch weiter Richtung Süden bewegten.
Wer hätte das gedacht ;-) Wir erreichten Apulien und machten als erstes Station in Bari. 
Die Stadt haben wir schon zweimal als Kreuzfahrer besucht und jedesmal hatten 
wir uns fest vorgenommen, mal auf anderem Wege und etwas länger in die Gegend 
zurückzukommen. Die Stadt ist ein Traum - umso mehr, wenn sie nicht überlaufen 
von Tagestouristen ist. Überhaupt waren so weit unten im Süden kaum noch Touristen 
unterwegs und die Italiener ausgeflogen, immerhin hatten wir beinahe schon August. 
Es war also überall erfrischend leer.


In den Tagen darauf erreichten wir den südlichsten Punkt unserer Reise. Dort unten, 
rund um Monopoli, ist die Küste wild und das Angebot an offiziellen Stellplätzen rar.
(Selbst Campingplätze direkt am Meer gibt es selten, und die meiden wir ja eh, wo es 
geht. Generell, aber in Italien nochmal besonders, dort ist das Animationslevel 
einfach sehr außerhalb unserer Komfortzone ;-) Wir programmierten also den einzigen
Stellplatz weit und breit ein, weit ab von allem, bewegten uns aber weiter hart an der
Küste - und fanden dann einfach diesen Ort... Ein felsiger Kraterparkplatz direkt am
Meer, wo schon zwei/drei andere Wohnmobile für die Nacht standen. Ein Traum mit
direktem Blick auf Polignano a Mare. Genau das ist der Grund, warum wir auf unseren
Reisen immer darauf achten, dass das Klo leer und die Wasser- und Stromvorräte 
hoch sind - damit wir solche autarken Traumplätze nicht ungenutzt vorbeiziehen
lassen müssen... Und überhaupt: Polignano! Auch hier waren wir schon mal
im Vorbeifahren und ich hatte mich Hals über Kopf in dieses weiße, enge 
Städtchen auf den Felsen verliebt. Jetzt Tag und Nacht dort stehen und 
draufgucken zu können, war ein echtes Geschenk. 
Inzwischen hatte es übrigens auch nachts deutlich über 30 Grad - 
"gefühlt 38" behauptete die Wetter-App - und es wehte ein teilweise kräftiger
Wind. Zum Glück! Aber es war ein bisschen wie in der Heißluftfritteuse ;-)
Dem Mann macht das nichts und den Kindern wenig, aber ich habe 
dort unten doch die ein oder andere Nacht in der offenen Wohnmobiltür
verbracht, dem Meer zugehört und einen ganzen Stapel (digitale)
Bücher weggelesen. Komischerweise macht mir sowas im Urlaub ja
nichts aus. Und wir waren ja schon fast auf der Höhe von Griechenland,
anderes Wetter war also nicht zu erwarten gewesen.
Alles Einstellungssache ;-)


Ich war mir sehr, sehr sicher, dass Polignano das schönste Ziel unserer Reise bleiben würde,
aber tatsächlich hat mich Monopoli einen Tag später schon eines Besseren belehrt,
das war nämlich genauso schön. Mindestens! Das hatte schon sehr deutliche 
Griechenland-Vibes dort und am Hafenbecken wäre ich gerne einfach ein paar 
Tage lang sitzen geblieben... Wir entschieden uns aber doch irgendwann zur 
Weiterfahrt. Leider, denn die Fahrt raus aus Monopoli, so entschied unser 
Navi, wäre der ideale Moment für seinen traditionellen Süditalien-Aussetzer.
Dabei hatten wir den letzten doch erst halb verdaut... Und so navigierte es uns
trotz der LKW-Einstellung, die wir sicherheitshalber immer drin haben, in 
die engen Gassen der Altstadt - Sträßchen so breit wie das Wohnmobil, hohe 
Bordsteinkanten, rechtwinklige Abbiegungen, Balkone auf Alkovenhöhe und
am Ende noch eine Sackgasse mit Baustelle. Ich war schon lange zu Fuß 
unterwegs, immer ein paar Schritte dem Wagen voraus, und trotzdem haben
wir es nur einem Mountainbiker aus Dortmund zu verdanken, der 
seine Eltern besuchte, zufällig vorbeikam und uns einen leidlich 
machbaren Weg aus dem Labyrinth wies, dass wir nun nicht den 
Rest unseres Lebens im Wohnmobil am Ende einer Sackgasse in 
Monopoli verbringen müssen....

12. September 2019

On the road again - Italien II

Die Amalfiküste also - die stand ganz oben auf der Agenda unserer diesjährigen
Italien-Tour. Mit dem Wohnmobil allerdings ist sie gar nicht
zu erkunden, denn die schmale, kurvige Straße mit vielen Überhängen
ist zwischen Positano und Vietri sul Mare für Wohnmobile und Gespanne
schlicht und ergreifend gesperrt. Zu recht.
(Ok, zwischen Mitternacht und halb sieben morgens darf man sie
befahren, aber da hält sich die Aussicht ja nun auch in Grenzen ;-)


Unser aktueller Frühstücksausblick in die andere Richtung. Wir stehen genau
an der Mündung der Sele ins Meer. Umzingelt von Wasser! -- Am Wegesrand. --
Erster Halt in Sicht. Amalfi. --Wir haben uns am Stellplatz ein Auto geliehen
und erobern uns die Amalfiküste. Die ist nämlich zu eng für Wohnmobile...

Wir mussten uns also ein Auto ausleihen, das erschien uns flexiber als ein
Bootsausflug. Allerdings war sowas wie Infrastruktur rund um unseren Stellplatz im Cilento
erwähntermaßen quasi nicht vorhanden. Autovermietung? Hahahaaa...
Wider Erwarten war es dann aber noch einfacher als einfach, denn man konnte 
direkt in der Rezeption des Campingplatzes ein Auto mieten.
Also, so ähnlich zumindest. Wie sich am betreffenden Morgen herausstellte,
handelte es sich bei dem Mietgefährt um Fernandos Privatwagen, 
für den er uns ohne Umstände den Schlüssel in die Hand drückte...

Auto ausleihen auf süditalienisch: "What do you need from us?"* - "Aaaaahhh,
nothing. I have yourrrr camperrrr!" Sache erledigt. 
(*die sprechen hier einen so seltsamen Dialekt, ich habe kapituliert. Salve!)


Amalfitana. -- Mittach in Amalfi. --Blick nach oben. --
Blick nach oben II

Nun denn, so sei es! Wir schwammen also mit einem ziemlich ausgelutschten, 
französischem Dickschiff Richtung Amalfitana. Auch wenn uns nach der dritten
Kurve mit Bus-Gegenverkehr ein Fiat 500 lieber gewesen wäre!
Der Verkehr dort ist echt .... äh, herausfordernd, aber es ist alle Mühen wert.
Keine Ahnung, welches der Örtchen am Wegesrand am Ende das schönste war,
vermutlich wirklich Positano. Aber auch Amalfi selbst, wo wir eine
längere Mittagspause einlegten, war wunderschön...

Ähnlich schön war allerdings auch der Moment, als wir abends dem
Campingplatzbesitzer sein Auto wieder ohne Macken (also ohne neue Macken)
auf den Parkplatz gestellt hatten. Wobei ich bezweifle, dass ihn das in
irgendeiner Weise tangiert hätte....
Die folgenden beiden Tage verbrachten wir nochmal maximal faul auf
unserem wunderbaren Strandplatz, aber dann wurde es Zeit, uns 
langsam wieder Richtung Norden zu bewegen...


Tja, das Bild ist doppelt. Muss man jetzt mit leben ;) -- In jedem Ort hier 
an der Küste steht eine solche Kirche. --Hallo Positano. Dich wollte ich 
schon so lange mal kennenlernen! -- Wir verlassen jetzt schleunigst 
unseren schweineeimerteuren, viel zu luxuriösen innerrömischen 
Campingplatz und machen uns auf Richtung Norden...

Unser Bedarf an Stadtleben war nach Neapel und Pompeji eigentlich gedeckt, deswegen war der
Plan, direkt bis an die ligurische Küste durchzuziehen. Als wir dann jedoch auf der
großen Ringstraße rund um Rom waren und in der Ferne klein die ersten Bauwerke
blitzten, fanden wir es doch zu schade, zum zweiten Mal daran vorbeizufahren.
Ich war schon sehr oft in Rom, einmal auch schon mit dem Mann, aber die 
Kinder noch nie. Und die wollten unbedingt ein neues Häkchen auf ihrer
persönlichen Liste der besuchten europäischen Metropolen.
Wir versuchten also unser Glück und steuerten einen der Plätze an,
die wir im Vorfeld rausgesucht hatten...

Heute schon 78 Euro für einen (zugegebenermaßen perfekt angeschlossenen
und keine 3km vom Vatikan entfernten) Campingplatz ausgegeben.
Aber HALLO!? Achtundsiebzig Euro für ein Stück Schotter mit Hecke.
PRO NACHT. Ich weiß schon, warum wir Campingplätze sonst meiden wie
die Pest...

Leider war das mitnichten ein Stellplatz, sondern mehr so eine Art riesiger
Event-Centerpark *grusel* Aber immerhin recht innerstädtisch gelegen, 
mit Bushaltestelle direkt vor der Tür und mit einem Plätzchen für unsere
Wohnbüchse... Für eine Nacht würde es schon gehen.


Eigentlich wollten wir heute durchziehen bis in die Toskana, aber dann 
fanden wir es doch zu doof, zum zweiten Mal einfach an Rom
vorbeizufahren. Nun also, here we are! -- Mit Italien verbindet mich
ja mehr so eine Hassliebe. Ich finde es lange nicht überall schön,
die Toskana überbewertet und die obere Adria ganz fürchterlich. Die
häufig zugestellten und bewirtschafteten Strände nerven und erst
recht das allgegenwärtige Gedudel und die Animation. Aber Rom
geht einfach immer! Fand ich mit 14 schon toll und mit 44
immer noch... -- Die Tram in Rom hat ähnlich viele Jahre
auf dem Buckel wie die S-Bahn in Neapel. Erwähnte ich schon,
Achtung, unpopular opinion, dass ich öffentliche Verkehrsmittel
hasse wie die Pest? -- Petersplatz. Die Rechnung "Das machen
wir zum Schluss, dann ist es leer da" ging absolut auf.

Wir nahmen also den nächsten Bus in die Stadt und stellten an der Haltestelle erst mal fest,
dass die Busse sonntags nicht bis in die Stadt fahren. Also ging es nur bis zur nächsten
Metrostation und dann mit der U-Bahn weiter. Nun denn. Wer in Neapel 
Bahn gefahren ist, für den fühlt sich Roms Metro an wie Wellnessurlaub :-p
In Termini enterten wir dann der Einfachheit halber einen der allgegenwärtigen
roten HoppOn-HoppOff-Busse und drehten zwei ausführliche Runden.
Eine ohne und eine mit Aussteigen.


Stehen, gucken, genießen. -- Am Rande des Vatikans in eine Prozession
geraten. Kann das "Gegrüßet seist Du Maria" jetzt auch perfekt auf
Italienisch. -- Feierabend-Päuschen. Jetzt ab zur Metro und dann 
Füße hoch... Schön war's! -- Nu aber. Unterwegs gen Norden.
Hallo Toskana!

Die Kinder waren hin und weg und auch ich finde diese Stadt immer noch 
absolut bezaubernd. Vielleicht liegt es daran, dass wir hier zuhause ja auch zwischen
unzähligen römischen Bauwerken leben, in ähnlich gutem Erhaltungszustand.
Das verbindet ;-) Jedenfalls haben wir für die kurze Zeit unfassbar viel gesehen
und uns die platten Füße wirklich redlich erarbeitet, als wir an der Spanischen
Treppe wieder die Metro bestiegen.

Fahrpläne sind wirklich eine ganz, ganz großartige Erfindung. *von der römischen
Bushaltestelle mit Beinen im Bauch und Bärenhunger gesendet

An der Haltestelle sind wir dann allerdings gestrandet, denn sonntags fahren die 
Busse nicht nur nicht in die Stadt, sondern überhaupt nur sehr sporadisch. Und 
in der Ferienzeit durchaus auch mal gar nicht. Weiß man aber nicht, Fahrpläne
gibt es nämlich keine. Nachdem wir nach einer Stunde ernsthaft erwogen,
die paar letzten Kilometer in Gottes Namen halt auch noch zu laufen, weil 
uns der Magen inzwischen echt in den Kniekehlen hing, kam dann aber 
tatsächlich noch ein Bus mit unserer Nummer. Allerdings warteten mit uns inzwischen
locker hundert Leute und wir entgingen beim Einsteigen nur knapp einer
amtlichen Prügelei mit einer Horde aufgeheizter Argentinier.
Komisch, das ist uns beim Fußball auch schon mal passiert.
Waren bestimmt dieselben :-p
Auf unserem Supidupi-Luxusplatz ließen sich dann zum Glück auch zu später Stunde 
noch vier Pizze auftreiben und die wilden Parties fanden freundlicherweise an
anderen Ecken des riesigen Areals statt, so dass wir eine erstaunlich 
ruhige Nacht verbrachten, so mitten in der Stadt.


Aktueller Liegestuhl-Ausblick. Hier liege ich auch heute lieber als am Strand. --
Feierabend. -- Blick nach oben. -- Verloren in den Straßen der Stadt.

Am nächsten Morgen ging es dann über Civitavecchia, wo wir unsere Vorräte ordentlich
aufstockten (wer weiß, wie sich die infrastruktuerelle Lage am nächsten Schlafplatz
darstellen würde!) wieder ans Meer.  Irgendwo südlich von Pisa fanden wir 
einen netten Platz, der nicht zu groß und wenig animiert war. Das ist im Norden
wirklich schwer - was zu finden, das klein, ruhig und kuschelig ist....

Am Wochenende habe ich noch ein Auto gemietet, indem man mir den Schlüssel in
die Hand drückte. Gerade musste ich zum Erhalt des Wifi-Passwortes (ab 18!!)
eine "Maßnahme zur Terrorismusbekämpfung" unterschreiben. Wir sind ganz
offensichtlich wieder in Norditalien angekommen.


Hier ist nicht alles gelb, auch wenn es gerade so wirkt. -- Auf Lucca habe ich 
mich ja schon seit Wochen gefreut, vor allem, um mal auf diesem Platz zu stehen,
der im perfekten Oval um ein ehemaliges Amphitheater herumgebaut ist. --
Mittach. -- Verirren kann man sich trotz des wilden Gewirrs in Lucca 
eigentlich nicht, denn die Stadt ist nicht groß und so trifft man immer
wieder auf die Stadtmauer, auf der entlang man dann bis zu seinem
Startpunkt laufen kann.

Nochmal knappe zwei Tage am Meer, dann ging es nach Lucca.
Mein ganz persönliches Highlight auf dieser wirklich sehr highlightigen Reise.
Auch die Kinder entschieden sich ohne Zögern für Lucca, als sie vor
die Wahl gestellt wurden (Lucca oder Pisa, den Schiefen Turm haben wir 
dann aber immerhin noch von der Straße aus gesehen!) - völlig klar, denn sie sind 
durch Lucca hat zirkeln sehen, muss diese Stadt in echt erleben ;-)

Auch in der Toskana bei 35 Grad sind Funktionskleidung und 
Trekkingsandalen ein sehe zuverlässiger Deutschen-Indikator...

Nicht mit dem Auto natürlich und erst recht nicht mit etwas noch größerem, das
würde gar nicht durch die Stadttore passen. Zum Glück gibt es dort, direkt vor 
der Porta Santa Maria, eine kleine Autowerkstatt, deren unfassbar netter Besitzer
besichtigungswütigen Wohnmobilisten seinen Hinterhof zur Verfügung
stellt, inklusive Übernachtungsoption und Einparkservice :-)
Wir standen also dort zwischen anderen Wohnmobilen und dem ein oder 
anderen Oldtimer aus Zuffenhausen - und hatten alle Zeit der Welt, 
die Stadt zu erkunden. Lucca. Traumstadt. Überall, aber natürlich ganz
besonders auf der ovalen, quietschegelben Piazza dell'Anfiteatro,
die so viel Atmosphäre hat, dass man gar nicht mehr weg möchte....


Unerwartet noch echt viele Kilometer gemacht und zur Belohnung einen netten
 Schlafplatz gefunden. -- Feierabend. -- Das Bild gab es hier in der 
Form schon mal irgendwie. -- Kurz vor knapp übernachten wir heute endlich
mal in einer Marina. Normalerweise machen wir das viel öfter, denn es ist
so toll, in großen oder kleinen Häfen zwischen Schiffen zu übernachten.
In Italien scheint das nicht üblich zu sein, aber kaum sind wir in
Frankreich: zack, Marina! Danke, Colmar.

Mussten wir aber, denn wir wollten noch ein bisschen weiter nordwärts an dem Tag.
Tatsächlich ging es dann viel weiter als geplant, so dass wir abends tatsächlich
wieder die oberitalienischen Seen erreichten. Den Lago di Varese diesmal,
deutlich kleiner und entspannter als seine großen Nachbarn, weswegen wir auch
ein lauschiges Plätzchen gleich am Ufer fanden.
Dort verbrachten wir eine ruhige, letzte italienische Nacht, bevor es am nächsten
Tag wieder durch die Schweiz Richtung Frankreich ging.
Eigentlich war der Plan, die letzte Nacht auf dem Gotthardpass zu verbringen,
ganz oben, da gibt es eine Möglichkeit. Und so ein bisschen Schnee nach
der ewigen Hitze wäre ja mal ganz nett gewesen *g*
Allerdings waren wir da nun einfach schon viel zu nah dran,
zu kurze Etappe, deswegen entschieden wir uns stattdessen
für eine letzte Nacht im Elsass.

Was ich an Italien gar nicht vermissen werde:
- den Zustand der Straßen
- das Radioprogramm
- die grässlichen Dinger, die sie hier als Brot oder Brötchen verkaufen

Gute Entscheidung, denn in Colmar gibt es einen Stellplatz an der Marina
und zwischen Schiffen zu schlafen haben wir in Italien echt vermisst.
Das Prinzip Hafenstellplatz ist dort offenbar unbekannt.
Wir verbrachten also noch einen netten, letzten Nachmittag und Abend
in der putzigen Altstadt von Colmar, wo wir schon öfter mal waren.
Kann man aber immer wieder machen.
Und am nächsten Morgen ging es dann ab nach Hause....

Letzte Etappe. Noch 300km bis zuhause. Nach dem Losfahren noch rasch
getankt, zack, Endstation. Stehen in Colmar an der Zapfsäule und 
rien ne va plus. Camper tot. Hallo Fehleranalyse. 
*sucht Bordbuch -- Die Tankstellefrau hat uns mit lauter schicken
Pylonen umstellt. Den Kindern ist unser Hindernisstatus 
hochgradig peinlich, die Franzosen nehmen es gelassen... --
Eine Stunde später haben wir ein loses Kabel an der Motorbatterie entdeckt
(die mitnichten im Motor sitzt, sondern unter meinen Füßen) -
an dieser Stelle nochmal vielen Dank an die italienischen
Straßenverhältnisse. Camper läuft, ab nach Hause!

Haha, so der Plan. In Wahrheit standen wir fast zwei Stunden in Colmar
an der Zapfsäule, vertelefonierten 80 Euro mit dem Fiat-Pannenservice und warteten
so lange vergeblich auf den beauftragten Werkstattservice, bis wir den
Fehler selbst gefunden und behoben hatten. Offenbar haben die süditalienischen
Straßenverhältnisse uns so durchgeschüttelt, dass sich eines der Polkabel an der
Batterie gelockert hatte, bis es in Colmar dann endgültig ab war.
Ein Handgriff, zack, alles gut. Hätte man auch früher haben können ;-)
Aber egal, Hauptsache nicht in Frankreich gestrandet und
Zeit hatten wir eh genug. Von Colmar aus ist man wirklich schnell zuhause.

Dreieinhalbtausend Kilometer in zwei Wochen. Fünfhundert mehr als geplant.
Unser persölicher Roadtrip-Rekord. Noch fünf, dann sind wir wieder
zuhause. Schade eigentlich.

Das war er also, unser diesjähriger Roadtrip.
Erlebnisreich, wunderschön und mal wieder viel zu schnell vorbei!
Ich freue mich schon auf die Zeit, wenn wir mal längere Zeit am Stück
losziehen können. Portugal. Osteuropa. Nordkap. Island!
Steht alles noch auf der Liste der geplanten Routen, für die man
aber eindeutig mehr als zwei Wochen benötigt...