.... oder "Pilgern rockt!" :-)
Ich liebe meine Stadt. Ich liebe sie sogar sehr.
Immer.
Aber es gibt Tage, da liebe ich sie noch ein klitzekleines bißchen mehr - so wie heute, wenn der Himmel blank geputzt ist und ich mich, alleine und ohne auch nur irgendein einziges To-Do auf dem Zettel, einfach treiben lassen kann. Dem babylonischen Sprachgewirr lauschen, Leute beobachten, die Stadt genießen....
Und weil ich Euch seit Monaten kein Sightseeing-Pic mehr gezeigt habe, bekommt Ihr heute gleich zwölf.
Wer noch dabei ist mit seinen zwölf Fotos vom 12. des Monats, könnt Ihr wie immer in
Caros toller Liste sehen :-)
Das Domviertel mitten in der Stadt ist toll - enge Sträßchen zwischen hohen Mauern, grün, alt - irgendwie eine Welt für sich.
Und unglaublich ruhig, selbst an Tagen wie heute.
Mit der Ruhe ist es allerdings blitzschnell vorbei, wenn man um die letze Ecke auf den Domfreihof einbiegt.....
... denn es ist Wallfahrtszeit.
Die Geschichte des
Heiligen Rocks hier zu erzählen, würde eindeutig den Rahmen sprengen, könnt Ihr selbst nachlesen ;-) Er soll jedenfalls Fragmente der Tunika Jesu enthalten und ist normalerweise nicht zu sehen - aber alle paar Jahrzehnte wird er für ein paar Wochen ausgestellt und dann.....
... steppt der Bär *g*
Ich war heute sehr dankbar, dass ich das Angucken selbst schon längst erledigt habe und mich deswegen ganz entspannt auf das Bestaunen der Menschenmassen beschränken konnte. Wahnsinn!
Ich wunderte mich oben auf meiner Absperrung nur für einen kurzen Moment über diese Weihrauchwaden, die da von rechts ins Bild waberten....
.... als auch schon der Bischof in meinem Sucher auftauchte.
Das nennt man dann wohl zur rechten Zeit am rechten Ort oder so ;-)
Diese Fäden/Bänder/Stoffstreifen wurden alle von Pilgern mitgebracht und vor dem Dom zusammengewebt.
Die Konstantin-Basilika habe ich Euch
schon mal gezeigt. Sie ist heute die größte evangelische Kirche der Stadt und davor steht der "
Schaff-Rock" (schaffen = moselfränkisch für "arbeiten"). Der gehört zur "Aktion Arbeit" und jedermann kann sich daran mit seinen Wünschen verewigen.
Dem hier ist doch nichts mehr hinzuzufügen :-)
Wir waren in den abgelaufenen vier Wochen - morgen ist Ende - ein paar mal im Dom. Man kann von solch einer Reliquie halten, was man will - ob nun echt oder nicht, ich finde das gar nicht ausschlaggebend - mich fasziniert einfach die Anziehungskraft, die sowas heute noch auf die Menschen aus aller Welt ausübt. Und die Geschichte dahinter. Dass eine römische Kaiserin ihn über die Alpen gebracht hat, dass er in hunderten von Jahren diverse Komplett-Niederbrennungen von Stadt und Kirche überlebt hat, dass das Volk vor 500 Jahren eine erste Ausstellung quasi erzwungen hat - das alles finde ich wahnsinnig interessant. Was dieser braune Kittel schon alles erlebt hat.... Und auch persönliche Geschichte: meine Oma hat gerade heute morgen erzählt, dass sie 1933 zum Heiligen Rock gepilgert ist - da war sie so alt wie meine Große heute.
Sowas ist cool!
Und das ist mein Bonus-Foto, nicht von heute, das aber beweist, dass es sich manchmal lohnt, quasi im Auge des Hurrikans zu wohnen: so sah es nämlich immer vor dem Dom aus, wenn wir abends hingefahren sind. Da konnte man einfach durchmarschieren ;-)
So, und was haben wir jetzt wegen meines kleinen Ausfluges vom heutigen Tag alles nicht gesehen?
Ein sehr rudimentäres Frühstück, Power-Aufräumen im Kleinchen-Zimmer, Würstelgulasch zu Mittag, die Premiere der Großen als Messdienerin, Pizzaschnecken zum Abendessen und jetzt der Anpfiff beim DFB-Pokal - hah, das wären eh keine zwölf geworden....